USA

FAMILIENBILD MIT PHANTOM // Erzähl-Erinnerung

Brodkey

Mein Vater verfolgt mich. Mein Gott, ich fühle es die Wirbelsäule rauf und runter, wie er über den Rasen stapft, wie sich seine Hände nähern, seine riesigen Hände, das mächtige, pochende Anschwellen seines Atems, wenn er sich an mich heranmacht: er versucht, sich auszudehnen. […] Daddy ist so flink: wer hätte je von solcher Flinkheit gehört? Genau wie im Märchen… […] Ich werde in die Luft gehoben – und während ich benommen keuche und glotze, erscheint eine Landkarte, eine Karte der dunklen Erde, auf der ich eben noch lief: ich hänge schlaff, und trotzdem erhebe ich mich auf diesem gemästeten Balken, dem Arm meines Vaters, und ich sehe: da unten ist Gras, da ist der Weg, da ist ein Blumenbeet. Ich richte mich auf. Da sind die erleuchteten Fenster unseres Hauses, ziemlich weit weg. Das Gesicht meines Vaters ist nah und mit Geräusch erfüllt: undeutlich ragt es auf: sein verborgenes Gesicht: bist du das, alter Geldverdiener? Mein Hintern kerbt sich auf dem Trapez seines Arms. Mein Vater ist so groß wie ein Auto.

Aus Sein Sohn in seinen Armen: beglänzt und sehr weit oben von Harold Brodkey.

Jemand, der vielleicht noch Junge oder auch längst Mann sein könnte, ruft sich seinen Vater, welcher vielleicht nur verschwunden oder auch längst verstorben sein könnte, ins Gedächtnis, indem er das Erinnern auf die körperlichen Größen- und Kräfteverhältnisse konzentriert, die zwischen Kleinkind und Vater bestanden. Auf rein physische Relationen also – aber natürlich ist dem Ganzen, sobald es sich dabei um die menschliche Physis handelt, automatisch ein ganzer Batzen Psychologie anhängig.

Es ist so eine Eigenart von Brodkeys Prosa, das Körperliche und seine Bewegungen, Positionsbestimmungen, sensorischen Erlebnisse als Prisma zu nutzen, worin sich das schwärende Unerzählte bricht, um doch zutage zu treten und vielfarbig sichtbar zu werden. Nicht anders verhält es sich in dieser Kurzgeschichte.

[…] ich brauche zwei Augen, um eins seiner Augen zu sehen – und dann sehe ich meistens in mein eigenes Auge: von hier aus ist er sogar noch unsichtbarer, dieser Umarmer: mein Kopf sinkt gegen seinen Hals.

Um das Kind zu trösten, das sich gerade eben traurig verkrümelt hat, hebt es der Vater über den Rand seiner kindlichen Begrenzung hinaus, hinauf auf die Schwelle zu Welt und Weitblick, Glück und Gold – aber Obacht, das hier ist ein Höhenflug im Angesicht eines Untergangs:

Da war ein Gesicht; es war so groß wie mein Brustkorb; da waren Augen, unmenschlich groß, feucht – was mochten sie bedeuten? Wie konnte ich in ihnen lesen? […] Er sagte: „Das gefällt dir doch“, und er stellte mich auf den Rand der Mauer, die den Park säumte, den Rand eines Steilufers, eine Mauer, zu hoch für mich, hinüberzusehen, eine Mauer, die ich nicht überklettern durfte: er stellte mich auf die stoppeligen Steinberge und auf den Mörtelbewurf auf der Mauer. Er schlang die Arme um meine Mitte: ich lehnte mich an ihn: und wagte einen Ausblick, hinaus, dem Salz der Gefahr entgegen, des Anblicks (hundertfünzig Fuß hoch befanden wir uns mindestens, aber mindestens! Hunderte Fuß hoch in der Luft); dünne, reißende Windgirlanden schlugen mir ins Gesicht, Abendwind, von der frischen Sonne des Sonnenuntergangs geädert, schon stark von Kälte angeweht. […] Am Fuß der Senkung waren Bäche, Eisenbahnschienen, Landstraßen, Autobahnen, Häuser, Silos, Brücken, Bäume, Felder […]: es war Panorama als persönliches Privileg. Die Sonne am Ende des weiten, vom Sonnenuntergang geschwollenen Himmels war von einem glühenden und dringlichen Orange, eingefaßt von sich ausdehnenden Knospen aus Rosa und stratosphärischem Gold. […] Ich begriff, daß er mir Vergessen plus Genuß anbot […]. „Vertrau mir doch – laß du dich nur weiter aufheitern – sieh dir den Sonnenuntergang an – ein toller Sonnenuntergang, findest du nicht? – alles wird gut – glaub mir – wirst schon sehen – nur die Ruhe…“

War er absichtlich ein Schwindler?

So eng sich Brodkey nämlich, was dieses Vater-Sohn-Verhältnis anbetrifft, auch an der somatischen Ebene orientiert und damit eine Rekonstruktion des unmittelbaren, kindlich-sinnlichen Zugangs zu den Dingen unternimmt, so sehr unterliegt all das gleichzeitig einem analytischen, Rückschau haltenden Blick.

Unsere Verbundenheit äußert sich in überfallartiger, zupackender und einschmeichelnder Zuwendung, darin, daß einer sich vom anderen unterhalten läßt, für den Augenblick.

Ich frage Sie, wie soll so etwas andauern?

Manchmal, wenn wir uns voneinander unterhalten fühlen, werden wir dreist, aber genauso oft, genauso oft sind wir befremdet, und wir wenden den Blick ab.

Das ist freilich Storytelling, das im Wesentlichen auf Story verzichtet; stattdessen irrt das Erzählen in einem dunklen Erinnerungsstollen herum, rennt einsam flirrenden Leuchtpunkten nach, plumpst durch Löcher von einer Tiefenschicht zur nächsten. Passagenweise funktionieren der erzählerische Ablauf und die darin geschilderten Wahrnehmungen nach Art eines Traums oder auch Märchens: Raum und Zeit sind ausgehebelte Dimensionen; der Junge sieht sich als Zwerg, oder schwebend, oder als von Fressfeinden bedrohtes Tier, das sich wieder in einen Jungen zurückverwandelt, indem der Vater es auf seine magischen Arme nimmt, es emporhebt. Mitunter kippt, vor lauter Gegenwärtigkeit des erinnerten Gefühls, das Tempus plötzlich ins Präsens – um ebenso abrupt wieder ins Präteritum zu fallen. Ähnlich willkürlich, wie starke Erinnerungsschübe aus dem Nichts heraus das ganze Gehirn, das ganze Dasein überspülen, bevor sie schlagartig wieder auf Normalnull absickern.

Damals, mitten in der Nacht, hob er mich […] auf, wickelte mich in eine Decke, drückte mich an sich, trug mich im Dunkeln die Treppe hinunter; wir gingen hinaus in die Nacht; es war dunkel und kühl,  aber es gab einen Mond – ich dachte, er würde mich zur Mauer bringen, aber er blieb auf unserem Hinterhof stehen. Es wurde ihm lästig, mich zu lieben; er war abgelenkt und vergaß mich: die Liebe, die eben noch so nachdrücklich und fest an mir herumgeklammert und -gedrückt hatte, entfernte sich, und ich war entlassen, in die kühle Nachtluft, die fließende Feuchtigkeit, die Stille, und um uns die verdunkelten Häuser. Ich sah den silbernen Mond, hörte den Atem meines Vaters, fühlte, wie kratzig die Wolldecke auf meinen Händen war, bemerkte ihren Geruch nach Wolle. Ich hatte diese Empfindungen allein, und ich wartete. Dann, als er nicht zurückkam, wurde ich schläfrig und legte meinen Kopf gegen seinen Hals: er war nirgends in meiner Nähe. Ich schlief, in seinen Armen, allein.

Dass Brodkey bis zum Anschlag auf Intensität abzielt, zahlt sich zumeist aus, sorgt gelegentlich aber auch für Bruchlandungen – da kommen dann Wortverbindungen wie Häkelfehler zustande, da verpufft die Energie eines bestimmten Gedankengangs in einer übermütig abgehobenen, aber nicht mehr tragfähigen Konstruktion. Etwa so:

Durch die gestreichelte Verwirrung meiner inneren Luft macht sich linderndes Zwielicht bemerkbar […].

Himmel… Soll das so? Mit ein bisschen Fantasie und viel gutem Willen könnte man annehmen, dergleichen solle illustrieren, welch harter Kampf um den treffenden Ton hier gegen das schwer zu bändigende Gestrüpp der Erinnerung geführt und mitunter eben auch verloren wird. Oder man könnte es natürlich auch einfach als verquastes Geschwafel bezeichnen. Sei’s drum. Sicher ist jedenfalls, dass Brodkey in dieser Kurzgeschichte keine Spur nostalgischer Leichtigkeit zulässt, sondern Erinnern als Schwerstarbeit, Erinnerung als Stressfaktor zeigt – und zwar nicht allein ihrer Inhalte wegen, sondern gleichermaßen deswegen, weil es nun einmal quälend ist, einer flatterigen Erinnerung, die einen bedrängt, einfach nicht habhaft werden zu können, sie einfach nicht am Schlafittchen gepackt zu kriegen, geschweige denn sie auf eine ästhetisch adäquate Weise in Literatur übersetzt zu bekommen.

Sehr ausdauernd, und anhaltend fiebrig, spielt Brodkey unterschiedliche Qualitäten von Erinnerung durch: Speziell die Gattung Kindheitserinnerung wird aufgespalten in die kindliche Erinnerung und die adulte Erinnerung an die Kindheit; allgemein wird Erinnern aufgedröselt in konkretes, diffuses oder abstraktes Erinnern, welches mal blühend intuitiv, mal streng deskriptiv erfolgt. Das Bemühen, dem vielfältigen Wesen der Erinnerung auf die Schliche zu kommen, wird von Brodkey umgesetzt in reiche, ungestüme, bisweilen heillos überbordende Prosa – einem hitzigen Impetus entspringend, der sinnliche Wucht erzeugen will und sich dabei weder um Sauberkeit schert, noch um niederschwellige Zugänglichkeit bemüht.

Das eigentlich Interessante an dieser Kurzgeschichte liegt für mich jedoch in etwas Anderem, was zunächst nicht so recht ins Auge stechen kann, da das Auge erst einmal zu sehr mit Brodkeys Sprachkunsteleien beschäftigt ist, die sich um den Vater drehen:

Sein Sohn in seinen Armen ist eine Familiengeschichte – neben Daddy sind da auch Momma und eine Schwester. Sie gehören zum Geschehen dazu, sorgen für Unterhaltung, Geschäker und Plänkeleien. Doch im Zentrum der Erinnerung des Jungen steht, in epischer Größe und neben sich keinen Platz lassend, Daddy. Gut, Beziehungen zwischen Vater und Sohn sind eben an sich etwas speziell, und so erscheint es nicht weiter verwunderlich, dass der Junge dem Vater eine große Bühne gibt und ihn dort mittels aufwändiger Lichttechnik (Suchscheinwerfer, Lasershow, Stroboskop, UV-Lampen, etc.) von allen Seiten ausleuchtet – während Mutter und Schwester lediglich im indirekten Licht dieses Spektakels stehen. Als Randfiguren, denke ich. Aber etwas an diesem Lichtspektakel ist faul:

Also barg ich mein Gesicht vor der Sonne – so, daß es gegen den Hals meines Vaters gepreßt war -, und dann wußte ich, […] merkte es an der Hitze (seines Halses, seines Hemdkragens), wußte es aus kindischer Beweisableitung heraus, daß sein Gesicht vor der Helligkeit um uns völlig ungeschützt war: und ich sah hin; und es war so: sein Gesicht […] war in diesem Licht gefangen. In einer zufälligen Glorie.

Diese Glorie – das ist kein erleuchtetes Erkennen, sondern es ist Verklärung. Die bitter-romantische Faszination, die von den Verschwundenen ausgeht. An Daddy selbst ist kein Herankommen. Es gibt keinen anderen Daddy, als lediglich den gefühlten Daddy für den Jungen; keine handfeste Daddy-Substanz, nur ein Daddy-Fluid, das der Junge aus einem kleinen Ball aus zusammengeknüllten Erinnerungen, den er in seinen Fäustchen zerdrückt, hervorpresst.

Und die Frauen? Während der Junge von Vaters Schuhgröße über Vaters Bartstoppeln bis hin zum atmosphärischen Ton, den Vaters Gegenwart bewirkt, alles vehement erinnert und in seiner eigenen Gefühlssprache beschreibt, bleiben die Frauen schlicht vollkommen unbeschrieben, und der Erzählton, der für die beiden reserviert ist, ist konventionell.

Anfangs halte ich das für einen Ausdruck der Gleichgültigkeit gegenüber der Mutter, der Schwester. Dann aber finde ich, dass gerade dieses Nicht-Spektakel, das der Junge um sie macht, ganz einfach dafür spricht, was für vertraute, präsente, gesicherte Figuren sie für ihn sein müssen.

Im Umkehrschluss erscheint mir der dem Vater gewidmete, kräftezehrende Erinnerungsaufwand, den der Junge so ausschweifend betreibt, dass es ans Fanatische grenzt, als Zeichen dafür, dass der Vater all dies nicht ist: vertraut, präsent, gesichert. Gerade dieses heftige, geistige Suchen nach Daddy weist ihn aus als einen Familienunangehörigen – als ein Phantom.


Harold Brodkey wurde 1930 in Illinois geboren und starb 1996 in New York, wo er sich in den 50er Jahren niedergelassen hatte und dort bald zu den exzentrischen Lieblingen der Kultur-Szene zählte. Er sorgte als Autor vielbeachteter Kurzgeschichten und Essays für Aufsehen und wurde berühmt für einen Roman, an dem er dreißig Jahre lang schrieb, der von der literarischen Welt dreißig Jahre lang herbeigesehnt wurde und über den sich Feuilletonisten dreißig Jahre lang in vorauseilender Kritik die Finger wundschrieben, bis sich das, was da am Ende tatsächlich erschien, als blasser, aufs Rudimentäre zusammengekürzter Schatten des epochalen Werks entpuppte, als das er angekündigt gewesen war. In den 80ern noch als amerikanischer Marcel Proust gefeiert, spielt Brodkey heute kaum noch eine populäre Rolle. Damals wurde mitunter entnervt beanstandet, seine Prosa, die stark autobiografisch orientiert ist, sei scheußlich Ich-süchtig – heutzutage lesen wir alle fleißig unseren Knausgård.


>>Die Kurzgeschichte Sein Sohn in seinen Armen: beglänzt und sehr weit oben ist hier zu finden: Harold Brodkey, Unschuld – Nahezu klassische Stories (Rowohlt), €11,99

 

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PROVINZLEBEN // Tristan Egolf, Monument für John Kaltenbrunner

Dorf1a - Kopie (2)

[Die Leute] würden lieber an der Vorstellung festhalten, dass John aus heiterem Himmel in die Stadt galoppierte und sie nur so aus Spaß auf den Kopf stellte. Aber so ist es gar nicht abgelaufen. In Wahrheit, wie mehr Zeitgenossen wissen als es zugeben wollen, in Wahrheit war John Kaltenbrunner ein Einheimischer, und hinter seinen Taten stand ein ganzes Leben aufgestauter Empörung. Bis zu dem Tag, an dem er schließlich sein Kriegsross/Vehikel in Gang setzte, hauste er geräuschlos in den hintersten Winkeln von Baker, deren bloße Existenz die meisten Bewohner der Stadt am liebsten leugnen würden. Er pflügte sich durch die Arbeitswelt vom Fließband zum Schlachthaus, vom Schweineimbiss in die Kanalisation. […] Sein ganzes Leben war und blieb eine unvorstellbar üble Pechsträhne, im wahrsten Sinne des Wortes. Und so ging es immer weiter und weiter und weiter, jahrelang, über das Absurde hinaus bis an den Rand des praktisch Unmöglichen, bis all die sauren Äpfel, die Armut und der Dreck, die endlose Suche – bis sich jenes Hochoktangemisch, das ihm ein Tankstutzen namens Baker großzügig einflößte, schließlich entzündete und in die Luft flog, dass die ganze Gegend erzitterte. Das gab ein Getöse. […] Alle wurden hineingezogen: die Presse, die Behörden, die Kirche, die Fabriken, die Schulen, die Flussratten, die Hessen, die Schmalzköppe, die Trolls, jede Familie in der Stadt, die komplette Liste… Niemand kam ungeschoren davon. Einmal im Gange, traf die Abrechnung alle, quer durch die Bank, doch bis es soweit war, lauerte sie abwartend wie ein Werwolf in Quarantäne bei zunehmendem Mond.

Mittels einer reichlich Unheil versprechenden Einleitung bereitet einen die Erzählstimme des Romans auf das Spektakel vor, das sie im Folgenden ausbreiten wird: die Lebensgeschichte des John Kaltenbrunner – ewiger Sonderling, vom Leben geprügelter Universalverlierer und später Initiator einer lokalen Beinahe-Apokalypse, die sich gewaschen hat. Dass er sie nicht selbst erzählen kann, um der grassierenden Legendenbildung um seine Person entgegenzuwirken, hat leider seine Gründe, und darum übernehmen seine Kollegen von der Müllabfuhr – im Baker-Sprachgebrauch: die Haldenschrate – diese Aufgabe; es ist ihr kollektives Gedächtnis, das den wahren John Kaltenbrunner zu rekonstruieren versucht, indem es, mal erinnernd, mal mutmaßend, dessen Lebenslauf nachzeichnet. Und so singt hier der Chor der Haldenschrate einen 500 Seiten langen Punksong über das Provinzleben aus der sozialen Froschperspektive.

Was in den verschlafenen Breiten des amerikanischen Corn Belt so als Stadt bezeichnet wird, machen die ausgiebigen Beschreibungen des Hinterwäldler-Kaffs Baker deutlich: Kirche, Schule und ein paar Fabriken, um die herum sich Wohnhäuschen, Mietskasernen, eine eher dürftige Geschäftswelt und natürlich ein paar schäbige Bars angesiedelt haben; nicht mehr als ein trister Haufen in der Ödnis, eingekreist von Maisfeldern und Viehzuchtbetrieben. Hier herrschen ein Welt- und Werteverständnis, das seit Gründerväterzeiten keine nennenswerten Aktualisierungen erfahren hat, Selbstgefälligkeit, Missgunst und Suff. Schulsystem und Gesetzeshüterschaft werden geleitet von Bauern- und Bibeldeppen. Ein bestimmtes Identitätsempfinden leitet der typische Bewohner von Baker nicht aus den Qualitäten seiner Stadt ab, sondern aus dem ewigen kompetitiven Gezänk mit dem Nachbarstädtchen Pottville: Von solidarischem Miteinander kann in der Gemeinde, in der man unter seinesgleichen zu bleiben hat, je nachdem, ob man nun den Farmern, den Fabrikmalochern oder den eingewanderten Latinos angehört, keineswegs die Rede sein, aber ein Wir-gegen-die geht immer.

Am Rande dieser Zusammenrottung menschlicher Feindseligkeiten wächst John auf einem gottvergessenen Farmgelände auf. Madame Kaltenbrunner hat das Familienanwesen während jahrelanger Trauer um den verstorbenen Kaltenbrunner senior gleichgültig zu einer Bruchbude mit umliegender Müllhalde verkommen lassen, und Johns Lebensgeschichte nimmt hier ihren Anlauf, indem er das tut, wozu er schlichtweg geboren zu sein scheint: Er räumt kräftig auf. Zu dem, was man eine normale Kindheit nennen würde, finden sich bei John keinerlei Überschneidungspunkte; es gibt weder Freunde noch irgendwelche weiteren Anverwandten, die den Jungen aus seiner Isolation herauszerren würden, wo er sich, nach und nach, autodidaktisch zum begabten Heimwerker und Geflügelzüchter mausert und unterdessen freilich zu einem schrulligen Eigenbrötler mit autistischen Zügen heranwächst.

Das ist der Kaltenbrunner, den die meisten Schüler der Holborn in Erinnerung haben: ein zotteliger, desorientierter Scheunentroll, der stets den Kopf in den Wolken hatte. […] Eines aber steht fest: Unintelligent war er beileibe nicht. Seine schulischen Leistungen, eine Chronik der bewussten Vernachlässigung, sagen überhaupt nichts über seine wahren geistigen Fähigkeiten aus.

Was sollen ihn Schule und soziale Kontakte auch groß interessieren, schließlich werkelt er wie besessen an ganz anderen Dingen: Als selbstberufener Herrscher über den Scheunenhof (Lord of the Barnyard, so der englische Roman-Titel) putzt John das Anwesen zu einem Schmuckstückchen heraus und macht als erfolgreicher Hühnerfarmer  im ganzen Valley Furore und Profit – da ist er noch keine fünfzehn.

Bis hierhin haben wir’s mit einer – etwas kruden, versteht sich – Erfolgsgeschichte zu tun. Längst fliegt diesem Gemeinschaftsverweigerer und Agrar-Wunderkind meine sämtliche Sympathie zu; das ist bei mir wohl autobiographisch bedingt, da rennt der radikal tatkräftige Kaltenbrunner junior nun einmal offene Türen ein. Wann immer ich den Roman in die Finger kriege, um darin weiterzulesen, tue ich das mit einem ähnlichen Appetit, mit dem ich auch ein gutes Stück Fleisch verputze – nein, filigrane Kost ist das nicht, man muss es schon deftig mögen, und eine Neigung zum unfeinen Schlingen mitzubringen, schadet hier auch nicht. Die Sprache ist gekonnt roh und flapsig, die Story lebt davon, dass sie auf Krawall abzielt; beide suhlen sich streckenweise etwas zu gedehnt in ihrer Saftigkeit und ergehen sich oft in umwegigen Spielereien, aber das macht nichts, mir jedenfalls nicht: Dieser Roman ist nicht angetreten, um perfekt zu sein, sondern laut, garstig und wahnsinnig unterhaltsam. Er ist das rund zwanzig Jahre alte Debut des inzwischen auch schon verstorbenen Tristan Egolf, der als Schriftsteller wie als Punk-Musiker eine Menge Talente hatte, außer vielleicht dem, sein Talent dosiert, bedachtsam einzusetzen. Klar hätte man diesen Roman auch um 200 Seiten verschlankt veröffentlichen können, aber wozu? Kunstfertige Gezügeltheit ist was für Leute, die sonst keine Hobbys haben – Egolf dagegen hat Dampf und lässt dem seinen freien Lauf. (Gewisse Wesensähnlichkeiten zwischen den beiden Angry Young Men, Egolf und Kaltenbrunner, erscheinen mir möglich.)

Natürlich begnügt sich der Autor nicht damit, seinen einsamen Helden einen skurrilen, aber zufriedenen Selfmade-Unternehmer sein zu lassen. Die Jahre auf der Farm – das war ja nur die Vorgeschichte. Das Paradies Kindheit. Mit dem ist es schlagartig aus und vorbei, als eines Tages ein Wirbelsturm durch Baker zieht; Ende Teil I des Romans. Von nun an wird Johns später berühmt gewordene Pechsträhne nie mehr abreißen.

Fürs Erste sind es die profitgierigen kirchlichen Wohltäterinnen aus der mächtigen Ortsgemeinde – durchgehend bezeichnet als die Methodistenvetteln -, mit denen John sich herumschlagen muss; später der halbe exekutive Rechtsapparat des Countys. Noch etwas später, nachdem John diverse staatlich verordnete Progamme durchlaufen hat, deren Ziel es war, ihn gerade zu biegen oder wenigstens für ein Weilchen von der Gesellschaft fernzuhalten, ist es Baker selbst, das ihn nun endgültig in die Finger kriegt und ihm das Leben schwer macht, als er, perspektiv- und mittellos, nach ein paar Jahren in der Versenkung dorthin zurückkehrt. Dabei hätte er sich, nur um wieder bei null anzufangen, doch sonstwo niederlassen können – warum also unbedingt Baker, noch dazu in der festen Absicht zu bleiben?

Dafür musste es einen Grund geben. […] John war allzu verstrickt in seine Geschichte mit Baker, um einfach seine Sachen zu packen und fortzugehen. Er hätte es wahrscheinlich nie geschafft, zu innerem Frieden zu finden, wenn er die Stadt verlassen hätte, ohne zuvor ein paar hundert Angelshops in Schutt und Asche zu legen.

Inzwischen sind die alten Geschichten um John – wie er mit seinem Traktor namens Bucephalus zur Schule fuhr, oder wie es zu der Schießerei auf der Farm kam, etc. -, kalter Kaffee aus der städtischen Folklore, und da ihn schon damals niemand so recht gekannt hatte, erkennt ihn nun auch niemand wieder, sodass John in der Stadt nicht viel mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht als irgendein beliebiger, namenloser Taugenichts. Vom finanziellen Null-Level wegzukommen, gestaltet sich für John derweil schwierig: All seine Ausflüge in die lokale Arbeitswelt enden im Desaster. Nicht, dass das an John läge, der sich als zäh genug erweist, jeden, aber auch wirklich jeden Job zu machen – selbst in einer höllenhaften Geflügelfabrik, wo es die Aufgabe des ehemaligen Hühnerzüchters ist, geschundenen Puten im Akkord die Hälse abzuschneiden und dabei knietief in deren Blut und Gekröse zu waten, überzeugt er zunächst mit Bravour. Es ist nur das Pech, das einfach nicht locker lässt, für die dämlichsten Unfälle sorgt und scheinbar nimmermüde das Ziel verfolgt, Kaltenbrunner in den Boden zu stampfen oder am besten gleich unter die Erde zu bringen.

Die Agentur hatte die Nase voll. […] Bei allen Arbeitern aus der Stadt, die sie je unter Vertrag genommen hatte, und damit sind die jämmerlichsten Exemplare des weißen Lumpenproletariats der letzten zwanzig Jahre gemeint, waren ihr noch nie so viele Beschwerden in bezug auf einen einzigen Menschen untergekommen. […] Damit stand er offiziell auf der Schwarzen Liste der Zeitarbeitsfirmen von Baker, lebenslang. Nicht nur bei der Arbeit zerrann ihm alles zwischen den Fingern, sondern in allem, was er tat, jede Stunde wieder. Wilbur konnte heute noch den Kopf darüber schütteln. Ein normaler Mensch, der ein Zimmer betreten, die Tür schließen und sich an den Tisch setzen wollte, täte das einfach, und zwar ohne besondere Vorkommnisse; John würde in derselben Situation mit dem Hosenbein am Türrahmen hängenbleiben, die Naht vom Knöchel bis zu den Eiern aufreißen, die Wand beim Versuch, sich zu befreien, beschädigen und sich schließlich auf den Stuhl setzen, nur damit ein Bein unter ihm nachgab.

Wilbur Altemeyer, der im selben Mietzwinger wie John haust, eine Etage über ihm, beobachtet seinen verschrobenen Nachbarn vorerst aus der Ferne, solange, bis von dem kraftstrotzenden Dockarbeiter von einst nur noch ein humpelndes Häufchen Elend übrig ist, das sein Essen aus Bäckerei-Mülltonnen zusammenklaubt. Als Wilbur beschließt, John müsse dringend geholfen werden, findet John damit erstmals einen Freund. Die beiden hoffnungslosen Junggesellen haben so einiges miteinander gemein, nicht zuletzt, dass sich ihr Stellenwert auf der Baker-Sozialskala auf irgendwo unter null eingependelt hat. Wilbur, dessen eigene vergurkte Lebensgeschichte es in puncto Pech und Elend nicht ganz, aber fast mit Johns bisheriger Vita aufnehmen kann, hat es, als letzte Option auf ein irgendwie geregeltes Leben, zur Müllabfuhr verschlagen. Und als nach und nach Wilburs sämtliche naiven Versuche, John bei seinen Bemühungen zu unterstützen, in Baker irgendwie auf die Füße zu kommen, grandios in die Hose gehen, wird klar: Auch Kaltenbrunner ist nun reif für die Halde.

John wird zum Müllmann par excellence. Zwar bleibt er unter seinen neuen Kollegen, einem zusammengewürfelten Kollektiv haarsträubend verunglückter Existenzen, anfangs der gewohnt unnahbare Sonderling, setzt aber seine ganze Begabung und allmählich zurückgewonnenen Kräfte in Bewegung, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern, die Routen der Abholfahrten zu optimieren und sich und seine Mitstreiter gegen die täglichen Attacken vonseiten der boshaften, ständig zum Piesacken aufgelegten Bürgerschaft Bakers zu verteidigen. Dass sich Johns Arbeitsstil mit der Zeit zum Führungsstil aufschwingt, stößt Deponiechef Kunstler ungut auf, der sich als durchgeknallter Autokrat an seinen Mitarbeitern bislang ungebremst austoben konnte, bei John jedoch auf Granit beißt. Was als Kräftemessen zwischen Kunstler und Kaltenbrunner beginnt, schaukelt sich zunehmend hoch, reißt bald die gesamte Belegschaft der Müllabfuhr mit, mündet in den ersten Müllstreik in der Geschichte des Countys und führt schließlich in eine Generalabrechnung des sozialen Bodensatzes von Baker, sprich: der Haldenschrate, mit der gesamten Stadt.

Der Bekanntheitsgrad John Kaltenbrunners schnellt raketenartig von null auf hundert. Der Müllstreik, den John vom Zaun gebrochen hat und den er als glanzvoller Stratege mit geradezu militärischem Geschick anführt, lässt den heimischen Pöbel in seinem eigenen Unrat ertrinken – und der brütend heiße Sommer trägt das seine dazu bei. Nach den ersten Wochen, in denen man das Ganze in Baker noch als schlechten, stinkenden Scherz abtut, kommen Ungeziefer, Geier, Kojoten wie die biblischen Plagen eingefallen, gefolgt von Presseteams aus dem gesamten Bundesstaat, die in Baker Stellung beziehen, um rund um die Uhr live über den Untergang einer Kleinstadt zu berichten. Und gerade, als die örtliche Wirtschaft vollends lahmgelegt und die Hysterie so richtig im Gange ist, als erste Plünderungen gemeldet werden, Unruhen an der Tagesordnung sind und Polizei, Stadtrat und Bürgerschaft in ihren Entscheidungen schwanken, ob sie besser kapitulierend allen Forderungen der Haldenschrate nachgeben sollten oder nicht doch lieber diesem Terroristentrupp per Lynchjustiz den Garaus machen wollen – mitten in dieses Szenario hinein fällt das lang herbeigefieberte Basketball-Pokalduell zwischen den Schulen von Baker und dem verhassten Pottville. Austragungsort: Baker. Und als sei der hiesige Mob nicht schon explosiv genug, halten nun zusätzlich Fan-Scharen aus Pottville in der Stadt Einzug wie eine Horde von apokalyptischen Reitern.

Schon klar, dass das nicht gut ausgeht. Selten wurde eine Kleinstadt literarisch dermaßen dem Erdboden gleichgemacht, um ihren Einwohnern ihre himmelschreiende Borniertheit heimzuzahlen. Der Typus des hartgekochten Lonesome Hero, der in eine Stadt kommt, um dort aufzuräumen und für Recht und Ordnung zu sorgen, findet hier seine Anwendung, indem Egolf ihn auf den Kopf stellt: Kaltenbrunner nimmt sich eine Stadt vor, in der die herrschende Ordnung nichts taugt, und um damit klar Schiff zu machen, jagt er sie erst einmal kräftig durch ein reinigendes Chaos.

Das Finale Baker-Pottville markiert gleichermaßen das Finale Kaltenbrunner gegen Baker. Am Ende stehen eine brennende Kirche, sechs Zigarettenstummel am Ufer des Patokah River, deutlich bessere Arbeitsbedingungen und Sozialleistungen für die Haldenschrate und ein panisches Schwein, das über einen Friedhof flitzt. Wäre dieser Abschluss nicht zum Heulen, wäre das alles zum Brüllen komisch – aber gerade diese Mischung aus Bitterkeit und absurder Komik ist vielleicht das eigentliche Wesen des Provinzlebens.


>>Tristan Egolf, Monument für John Kaltenbrunner (Suhrkamp), antiquarisch


Mit Gruß an Gerhard Emmer, von dem der Buchtipp kam. (Ewig her, ja ja. Meine Mühlen mahlen langsam, aber stetig.) Meinen geistigen Soundtrack hierzu lieferten übrigens die Pixies, Kyuss und Rollins Band!


Bild: Grebe, 2017

DIE BESESSENEN // Rollin‘ just to keep on rollin’*

Mark Lanegan darf das. Und zwar: diesen jauligen Song, der sich durchaus in der Romantik der Selbstzerstörung suhlt, und den zuvor schon Johnny Cash sang, schön elegisch nachbrummeln. Und er darf das deshalb, weil man ihm schlechterdings nicht vorwerfen kann, sich fahrlässig an der Verklärung ruinöser Verhaltensauswüchse zu beteiligen, ohne dabei deren unappetitliche Konsequenzen je selbst kennengelernt zu haben – davon nämlich ist unbedingt auszugehen. Weil er dem smarten Val Kilmer von damals ja längst nicht so ähnlich sieht wie hier, sondern sich eben, höchstmutmaßlich, tatsächlich damit auskennt, wie das so ist: Wenn man von einem biestigen Etwas besessen ist, das einem ab und an die Psyche umkrempelt, so dass man ständig irgendeinen Mist auszubaden hat, den man sich doch gar nicht vorsätzlich hatte einbrocken wollen, bis man, nach und nach, gleichgültig wird, das Bedauern und Wiedergeradebiegen der Dinge schließlich einstellt und fortan das Biest einfach machen lässt.

So ein Biest kann man sich natürlich einfangen, indem man, wie Lanegan das vorgemacht hat, ab und an zu tief ins Glas guckt. Da übersieht man vielleicht eine kleine, unscheinbare Veranlagung oder eine akute, aber eigentlich nicht zwingende Gefährdungslage, denkt sich nichts dabei, und unversehens entfaltet sich schon ein prächtiges Problem zu vollster, grausamster Blüte. Dieser Vorgang verläuft so simpel und doch so komplex – entsprechend gestaltet sich auch die Bewältigung des Rückwegs so scheinbar einfach und doch zum Haareraufen schwierig: Komm, du musst halt einfach aufhören zu saufen, irgendwie. Zurück zu Lanegan: Man kann natürlich versuchen, sich vom Alkohohl zu verabschieden, indem man sich wiederum noch humorloseren Drogen zuwendet. Was erwiesenermaßen eine ganz schlechte Idee ist – die bestenfalls noch in einen *Methamphetamine Blues mündet anstatt direkt in irgendeine Crack-Hölle.

Selbstredend sollte man das lieber alles von Anfang an bleiben lassen, Kinder, und zwar kategorisch.

Das gilt im Übrigen für jedwede Form von Besessenheit. Ganz gleich, ob man sich, sagen wir, in einer allzu heftigen Leidenschaft aufreibt, oder etwa einem pathologischen Karrierewahn unterliegt, oder, meinetwegen, ein krankhaftes, gleichwohl gesundheitsorientiertes Selbstoptimierungsprogramm betreibt, oder aber sich bis zur Besinnungslosigkeit einer ideellen Verblendung hingibt oder einer auf Angst basierenden Raserei und so fort: Der zwingenden Dynamik hat man bitteschön zu widerstehen, unbedingt muss man die Finger davon lassen, solange man noch kann! Denn auch die schönste Besessenheit befördert am Ende freilich gar nichts als immer nur sich selbst – und ihren Träger, der sie an der Leine zu haben glaubt, samt Leine in den Abgrund. Aber das weiß man ja. Nur: Wo bleibt sie denn, die Vernunft, wenn man sie am dringendsten braucht? Macht sie Urlaub? Hat man ihr womöglich irgendwann gekündigt und kann sich bloß nicht mehr so recht daran erinnern?

Andererseits, wie lasch wäre das Leben denn so ganz ohne Raserei und Wahn, ohne manche reizvolle und lehrreiche Grenzberührung mit dem Fatalen, die mitunter den Treibstoff liefern für Enthusiasmus, Empathie, Erfolg?

Fragt sich bloß, wie man so genau wissen soll, ob man einfach anständig brennt oder nicht vielleicht doch längst explodiert?


 

SPRACHMUSIK // „I speak that acient tounge / There lies a language in the noise and the hum“*

So mit vierzehn, fünfzehn ließ ich, wie sich das damals gehörte, unter anderem natürlich Rage Against the Machine, House of Pain, Wu-Tang Clan, Tool, Nine Inch Nails, The Prodigy und Tricky aus meinem Kinderzimmer dröhnen, bis der Rest der Familie das Jaulen kriegte. Höre ich gedanklich zurück, vermischen sich diese jeweiligen Klangrichtungen zu einer einzigen Industrial-Rap-Elektro-TripHop-Wall of Sound. Derartig konditioniert, komme ich nicht umhin, Dälek, die genau so klingen, eben großartig zu finden – obwohl inzwischen deutlich über vierzehn, und nach wie vor im Grunde ahnungslos im Sektor Hip Hop. Während der Nullerjahre hat das mal Trio, mal Duo aus New Jersey fünf Alben rausgehauen, darunter ein Gemeinschaftsalbum mit den Hamburger Krautrockern Faust -wie auch immer diese Verbindung zustande gekommen sein mag -, außerdem eine Handvoll weiterer Kollaborationen nebenher betrieben, etwa mit den Elektrokrachkombos Techno Animal und Kid606; dazu tourten sie nebenher als Support für die Melvins und die Post-Metaller ISIS. Vom hypnotischen, zehnminütigen Kopfnicker-Stück bis zum Noise-Ragnarök gibt das Dälek-Spektrum eigentlich alles her. Nach längerer Pause war 2016 mit Asphalt for Eden (Profound Lore Rec.) auch endlich wieder ein neues Album drin. (*From Mole Hills)

Young Fathers könnten nun, obwohl sich ihr 2015er Album White Men Are Black Men Too (Big Dada Rec.) noch längst nicht ausgelutscht anhört, eigentlich auch mal was nachlegen. Das Schotten-Trio entzieht sich mit seiner Vielseitigkeit so gewollt wie gekonnt einer entschiedenen Einordnung in die Hip Hop-Sparte, hat dort jedoch seine Wurzeln und kommt gern auf sie zurück. Im Ganzen aber ist das mehr als bloß Soul hier, Hip Hop zwischendurch und Indiepop da, sondern eine quecksilbrige Legierung diverser urbaner Stile, aus denen ihr archaischter gemeinsamer Nenner hervorgegraben wird: Trommeln, Beschwörungsformeln, Trance.

KOPFGEBÄUDE // Tom’s House

Wer baut, vertraut. Oder: Haus bauen, Baum pflanzen, Kind zeugen. Ja ja. Man will eben einer guten Zukunft einen Ankerplatz in dieser Gegenwart einrichten. Wohin einen diese Zukunft aber führen wird, kann man nie wirklich sagen; das gilt selbst dann, wenn man, anders als ich, sie schon fest an einem Ort verankert zu haben glaubt. Ein geistiges Haus, so einen mentalen Stützpunkt, so was braucht man natürlich auch – und kann man nötigenfalls einfach mitnehmen. Planung und Pflege muss man dem allerdings ebenso angedeihen lassen; vielleicht, indem man drüber schreibt, meinetwegen auch singt. Ach, wie banal das klingt, aber: Ach, wie schön es doch ist, sich in einem Song zuhause zu fühlen:

SELBSTBEGEGNUNGEN // Sylvia Plath, In Plaster

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In Plaster

Ein Ich, und sein Gegenbild in Gips:

 

I shall never get out of this!  There are two of me now:

Zwiegespalten ist schon ein Spalt zu viel.

This new absolutely white person and the old yellow one,

And the white person is certainly the superior one.

She doesn’t need food, she is one of the real saints.

At the beginning I hated her, she had no personality —

She lay in bed with me like a dead body

And I was scared, because she was shaped just the way I was

 

Only much whiter and unbreakable and with no complaints.

Die Eine: schadhafte Persönlichkeit. Die Andere: makelloses, heiligweißes Gespenst.

I couldn’t sleep for a week, she was so cold.

I blamed her for everything, but she didn’t answer.

Sich in sich selbst zu streiten führt zu nichts…

I couldn’t understand her stupid behavior!

When I hit her she held still, like a true pacifist.

Then I realized what she wanted was for me to love her:

She began to warm up, and I saw her advantages.

 

Without me, she wouldn’t exist, so of course she was grateful.

I gave her a soul, I bloomed out of her as a rose

…oder vielleicht doch: zu sich als Ganzem? Nein, so billig ist das Ganze nicht zu haben.

Blooms out of a vase of not very valuable porcelain,

And it was I who attracted everybody’s attention,

Not her whiteness and beauty, as I had at first supposed.

I patronized her a little, and she lapped it up —

You could tell almost at once she had a slave mentality.

Sklavin und Herrin – voneinander, das darf man nicht aus dem Blick verlieren, wechselseitig abhängig. Was, wenn sich die Vorzeichen umkehren?

 

I didn’t mind her waiting on me, and she adored it.

In the morning she woke me early, reflecting the sun

From her amazingly white torso, and I couldn’t help but notice

Her tidiness and her calmness and her patience:

She humored my weakness like the best of nurses,

Holding my bones in place so they would mend properly.

Knochen bedeuten Struktur – von geduldigem Gips schützend umhüllt und fixiert.

In time our relationship grew more intense.

 

She stopped fitting me so closely and seemed offish.

I felt her criticizing me in spite of herself,

As if my habits offended her in some way.

She let in the drafts and became more and more absent-minded.

And my skin itched and flaked away in soft pieces

Haut dagegen bedeutet Gefühl – unter gipserner Starrheit abgestorben.

Simply because she looked after me so badly.

Then I saw what the trouble was:  she thought she was immortal.

 

She wanted to leave me, she thought she was superior,

And I’d been keeping her in the dark, and she was resentful —

Wasting her days waiting on a half-corpse!

And secretly she began to hope I’d die.

Then she could cover my mouth and eyes, cover me entirely,

Bösartig, diese Vorstellung von gegenseitiger Annäherung: der Einen die Anpassung an sich, die Andere, aufzuzwingen…

And wear my painted face the way a mummy-case

Wears the face of a pharaoh, though it’s made of mud and water.

…um sich dann mit der Einen schmücken zu können.

 

I wasn’t in any position to get rid of her.

She’d supported me for so long I was quite limp —

I had forgotten how to walk or sit,

So I was careful not to upset her in any way

Or brag ahead of time how I’d avenge myself.

Living with her was like living with my own coffin:

Yet I still depended on her, though I did it regretfully.

Wer ist nun die Sklavin?

 

I used to think we might make a go of it together —

After all, it was a kind of marriage, being so close.

Now I see it must be one or the other of us.

Scheidung! Nur, wie die Andere von der Einen amputieren? Wie geht Schluss machen?

She may be a saint, and I may be ugly and hairy,

But she’ll soon find out that that doesn’t matter a bit.

I’m collecting my strength; one day I shall manage without her,

And she’ll perish with emptiness then, and begin to miss me.

Aber lässt sich ein Zwiespalt rückgängig machen? Oder geht der Schluss nicht eher so: Die Eine sammelt ihre Stärke, um zu gehen, und die Andere vergeht vor lauter Leere – und beide zusammengenommen begehen diesen einen Selbstmord?


>>Gedicht aus: Sylvia Plath, Poems (Faber And Faber Ltd.)

SELBSTBEGEGNUNGEN // Maya Deren, Meshes of the Afternoon

Dieses Stückchen Film ist über 70 Jahre alt. Seit der Zeit seines Entstehens hat es, in der Filmkunst und darüber hinaus, wirkungsvoll Gebrauchsspuren produziert, selbst aber keinen Kratzer abbekommen. Unmittelbar rieche ich staubig warme Sommerluft, ich möchte das Tischtuch anfassen, das Bakelit-Telefon und den Polstersessel, schleiche selbst traumergeben durchs Haus und lasse das gestuft ansteigende Unbehagen heranbülgen und anbranden. Eine psychologische Kunstballade in Bildern (wer allerdings das Bild eines Selbstmordes scheut, beende das Schauen bitte vor Minute Unglückszahl 13).

Mit ihrem Erstlingswerk Meshes of the Afternoon lieferte Maya Deren (geb. als Eleanora Solomonovna Derenkovskaya, Kiew, 1917; gest. 1961, New York City) gleich einen der wichtigsten amerikanischen Avantgardefilme. Er entstand 1943 als gemeinsames Projekt mit ihrem zweiten Ehemann, dem Regisseur Alexander Hammid. Ihr dritter Ehemann, Teiji Ito, fügte später, in den 50ern, dem Stummfilm Musik hinzu.

Itos Spiel intensiviert die Stimmung des Films in einer Weise, dass es mir förmlich unter der Hirnschale kriebelt. Ich schalte Ito stumm, unterlege stattdessen das Ganze mit Midori Takada – wer mag, kann das ja selbst einmal ausprobieren.

LICHTKÖRPER UND SCHATTENWESEN // Flackertanz

Üblicherweise verheißen Kerzen, sobald sie in Songtexten angezündelt werden, brennenden Kitsch oder wächserne Pathetik. Don van Vliet aber vernichtete das eine wie das andere durch krude Fröhlichkeit. Und tut das – man könnte das als Tele-Booglarisierung bezeichnen – immer noch, inzwischen eben von irgendwo hinter der Venus aus, wo er dieses Jahr auch seinen 75.Geburtstag feierte. Die Topografie der Van Vliet´schen Innenwelt bleibt wundersam: verwunschenes Gelände, beschienen von fremden Himmelskörpern und durchzogen von Schattenschluchten, bevölkert von Fabelgetier. Dieses flackertanzende Hirn, wilde Ton- und Farbschleuder – vielleicht war die Erde auch gar nicht sein angestammter Lebensraum.

FEINDLICHE ÜBERNAHME // Jim Nisbet, Dunkler Gefährte

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Banerjhee Rolf besprengte gerade seine Zinnien mit gechlortem Gletscherwasser, als Toby Pride seine Arme auf den gemeinsamen Zaun legte. So beginnt Jim Nisbets Roman Dunkler Gefährte: Durch den paradiesischen Garten eines Grundstücks in bester Lage betritt man hier das Silicon Valley, Verdichtungspunkt von IT-Weltspitze und kalifornischer Lebensart. Banerjhee Rolf, indischstämmiger Chemiker, hatte es in seinen mittleren Jahren zu einem hübschen Eigenheim für die glückliche Kleinfamilie und einem eigenen Biotech-Unternehmen gebracht. Sohn Sam studiert inzwischen in Chicago, Frau Madja verdient als Buchhalterin selbst nicht schlecht. Banerjhee jedoch hat neuerdings reichlich Zeit, um den Garten zu hegen: Nach einer feindlichen Übernahme seiner Firma durch ein Konkurrenzunternehmen wurde er, der Mitbegründer, kurzerhand vor die Tür gesetzt. Zwar genügen das Einkommen Madjas und Banerjhees Einkünfte aus gelegentlichen Auftritten als Gastdozent noch für gutes Essen und guten Wein, aber die berufliche Perspektive für den Endfünfziger sieht düster aus: Der kalifornische Boom ist nur noch Wirtschaftsnostalgie, die Glücksritter werden nicht mehr belohnt, in den Verteilungskämpfen um immer seltener werdende gute Posten hat Banerjhee keine Chance mehr gegen die jungen Karriere-Pilger, die direkt von den Universitäten aus das Valley überschwemmen. Unterdessen wird Banerjhees Abfindung von den Alltagskosten aufgezehrt, und seine Altersvorsorge hat ihren Wert von heute auf morgen verloren. Nachdem sich der Amerikanische Traum für die Rolfs erfüllt hatte, stehen sie nun vor der Bedrohung, ihn im Rückwärtsgang zu erleben, zusteuernd auf Überschuldung, Altersarmut, Unterversorgung, am Ende womöglich Wohnungslosigkeit.

Der Sog der Krise zerrt indes nicht allein an Familie Rolfs finanziellem Unterbau, sondern an den hübschen Fassaden der gesamten Nachbarschaft, wo sich die verkaufsanzeigenden Maklerschilder bereits häufen – das Valley im Ganzen verhält sich ähnlich wie ein einzelnes, ins Straucheln geratenes Unternehmen: Diejenigen Bestandteile, die nicht mehr nutzen, werden von der Masse abgespalten, und hinter der Konzentration auf die rettenden Elemente schwinden die Überlebenschancen der Restsubstanzen. Madja sieht das in aller Klarheit, ihrer drohenden Vertreibung aus dem kränkelnden Paradies will sie zuvorkommen: das Haus loswerden, so lange es noch etwas einbringt, Umzug nach Chicago. Aus der Buchhalterin spricht hier die rechnerische Vernunft, und der Wahrheit der Zahlen, an die auch der Naturwissenschaftler gebunden ist, vermag Banerjhee nichts entgegenzustellen. Und dennoch – es behauptet sich ein hartnäckiger Widerwille in ihm, ein unvernünftiges inneres Ankämpfen gegen diese Planungen. Dessen Kern beruht auf einer bitter-unverdaulichen Erfahrung: Ihm, dem Wissenschaftler, dem sachlichen Denker, ist mit dem unvorhergesehenen Eintritt seines beruflichen und finanziellen Absturzes der Glaube an die Berechenbarkeit der Dinge abhanden gekommen. Der psychologische Strohhalm, an den er sich weiterhin klammert, ist seine Liebe zur Astrophysik: zur Lehre der festen Himmelskörper, der unverrückbaren Gesetze, die den Kosmos formen. Seinem wohlgeregelten Leben jedoch, das spürt Banerjhee, droht die unabwendbare, feindliche Übernahme durch das Chaos.

Glück lässt sich nicht planen, auch nicht absichern, nicht ewig haltbar machen. Sein Zustandekommen mag mittels Wissenschaft nachvollziehbar sein – steuerbar ist es nicht. So erlangen ein paar Lottozahlen, die gleich in der Eingangsszene auf die willkürliche Natur des Glückes verweisen, die Bedeutung eines Menetekels. Toby Pride, Banerjhees Nachbar, der sich ihm über den Zaun entgegenlehnt, verkörpert mit seiner undurchsichtigen Halbweltzugehörigkeit und seinem ungepflegten Grundstück ein ohnehin überdeutliches Kontrastbild zu Banerjhees Bedürfnis nach geordneten Verhältnissen. Nun wedelt er vor Banerjhees Nase mit einer Hand voller Lottoscheine herum, und damit greift gleichsam die Hand des Schicksals über den Zaun: „Heute ist der Tag der Tage, BJ, mein arbeitsloser Freund ohne Nebeneinkünfte. Und ich bin gekommen, um dir zu helfen.“ Zwar nimmt Banerjhee die angebotenen Lottoscheine von seinem arbeitslosen Freund mit Nebeneinkünften, wie er Toby betitelt, nicht an. Jetzt nicht. Später aber werden sie noch eine entscheidende Rolle zu spielen haben: Der Wahrheit der Zahlen vermag Banerjhee nun einmal nichts entgegenzustellen – am wenigsten, so wird sich zeigen, die eigenen Berechnungen.

Als Madja, die Stimme der Vernunft, zu einem Besuch nach Chicago verreist ist, nimmt das Schicksal für Banerjhee eines Abends seinen heillosen Lauf, und zwar gründlich. Dabei beginnt alles eigentlich ganz harmlos, indem Banerjhee die Einladung von Nachbar Toby und dessen halbseiden anmutender Bettfreundin Esme annimmt, auf ein Bier rüberzukommen. Die Zaungrenze hat Banerjhee bislang nie überschritten, die Rolfs hielten es wegen Tobys aufdringlicher Redseligkeit und vermuteter Verwicklungen in Drogendeals für ratsam, etwas Distanz zu wahren. Banerjhee verzichtet nun dieses eine Mal auf seinen Sicherheitsabstand – und zieht damit den Anti-Jackpot. Die Mächte des Zufalls lassen es krachen und bescheren Banerjhee einen spektakulären Untergang: falscher Ort und falsche Zeit, Porno- und Kriegsbilder, Wahrheit und Wahn, Blut und FBI, Lottoscheine und ein schnelles Auto, ein Casino und eine Pistole, die keinem Schützen gehorcht.

Was als Gesellschaftsbetrachtung begonnen hat, kippt erst spät um in Richtung Noir, und das so plötzlich, dass es geradezu die förmliche Entsprechung des stets gegenwärtigen Willkür-Motivs darstellt. Die extrem überdrehte Wendung ins Chaotische schert sich nicht um Glaubwürdigkeit, aber auch das fügt sich nur konsequent ins Thema. Mag das unrunde Poltern des Plots beim Lesen auch an mancher Stelle irritieren, am Ende zeigt sich Strategie dahinter, die Verbindung aus Unternehmer-Drama und Krimi funktioniert, man darf sich das als Leser also durchaus gefallen lassen. Gut, dass Nisbet seiner Story so wenig Ballast wie möglich angehängt hat, sie benötigt kaum 200 Seiten – da kommen manch andere Thriller gerade erst in Fahrt. Keineswegs leiden die Charaktere unter dieser Knappheit: Um etwa die Ehe Banerjhees und Madjas als geglückte und unermüdete Beziehung deutlich zu machen, oder um das Nachbarpärchen lebendig werden zu lassen als skurille Idioten, denen unheimlicherweise anzumerken ist, dass mehr hinter ihnen steckt, benötigt Nisbet ein, zwei unangestrengte Seiten, nach denen geschickt und unaufdringlich alles gesagt ist, was man wissen muss.

Frank Nowatzki, Herausgeber der Reihe Pulp Master, hat dem Roman ein ziemlich persönliches Vorwort vorangestellt, in dem er über seinen Bezug zu Nisbet und anderen Noir-Autoren, deren ausbleibende Kassenerfolge und literarischen Wert plaudert. Ein kleiner Lobgesang auf die Männer hinter den Romanen, selbst reichlich eingefärbt von Noir-Romantik – ein lesenswerter Einstieg zu Nisbet.


>>Jim Nisbet, Dunkler Gefährte (Pulp Master), €12,80

SINN UND GEHALT // David Foster Wallace, Der bleiche König

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[Rezensentin hier. Seit geraumer Zeit bewegt mich eine These, die persönlichen Umständen, welche hier nichts zur Sache tun, erwachsen ist und deren bekräftigende Verdeutlichung mir gerade in einem Roman begegnete: Monotonie und Wahnsinn liegen dicht beieinander. Einst schrammte ein alter Grieche an dieser These knapp vorbei; dass er sie anders formulierte, mag dem historisch bedingten Umstand geschuldet sein, dass zur Erfahrungswelt des alten Griechen eben nicht der Arbeitsalltag in einer modernen Steuerbehörde zählte. Ebenso gilt für den alten Griechen die Annahme seiner Unkenntnis bezüglich einer teils sitzend, teils rennend ausgeübten Tätigkeit in einem… aber wie gesagt, diese Umstände tun hier nichts zur Sache.]

Der Arbeitsalltag in einer modernen Steuerbehörde gestaltet sich, wie dieses anschauliche Beispiel vermittelt, wie folgt (Ausschnitt aus §25, aus dem Roman Der bleiche König, Autor: David Foster Wallace):

Ryne Hobratschk blättert eine Seite um. Latrice Theakson blättert eine Seite um. Standartprüfergruppenraum 2 gedämpft und hell erleuchtet, ein halbes Fußballfeld lang. Howard Cardwell setzt sich auf dem Stuhl zurecht und blättert eine Seite um. Lane Dean jr. fährt mit dem Ringfinger seine Kinnlade hoch. Ed Shackleford blättert eine Seite um. Elpidia Carter blättert eine Seite um. Ken Wax heftet ein Memo 20 in eine Akte. Anand Singh blättert eine Seite um. Jay Landauer und Ann Williams blättern fast synchron eine Seite um […]. Boris Kratz wippt mit einer irgendwie chassidischen Bewegung, während er eine Seite mit einer Zahlenkolonne abgleicht. Ken Wax blättert eine Seite um. Harriet Candelaria blättert eine Seite um.

Zur Vertiefung des Eindrucks verweilen wir noch ein wenig bei diesem Beispiel (weiterer Ausschnitt aus §25, ebenda, nachdem wir inzwischen mehrere Seiten umgeblättert haben):

Ryne Hobratschk blättert eine Seite um. […] Ken Hindle schlägt eine Bankleitzahl nach. Einige mit dem Kinn in die Hand gestützt. Robert Atkins blättert eine Seite um, während er noch etwas auf der Seite abgleicht. Ann Williams blättert eine Seite um. Ed Shackleford sucht in einer Akte ein dazugehöriges Dokument. Joe Biron-Maint blättert eine Seite um. Ken Wax blättert eine Seite um. David Cusk blättert eine Seite um. Lane Dean jr. spitzt die Lippen, atmet tief ein und aus und beugt sich über eine neue Akte.

Wie sich die Innensicht eines Standardprüfers während solcher Tätigkeit gestaltet, eröffnet sich unter Anderem am Beispiel des eben genannten Lane Dean jr. (siehe §33):

In vier Minuten war wieder eine Stunde vorbei, und dann konnte er eine halbe Stunde später in die Fünfzehnminutenpause. Lane Dean malte sich aus, wie er in der Pause herumrannte, mit den Armen fuchtelte, blanken Unsinn von sich gab und sich zehn Zigaretten auf einmal in den Mund steckte wie eine Panflöte. Jahr für Jahr, ein Gesicht von derselben Farbe wie der Schreibtisch. Jesus Christus. Kaffee war verboten, weil er auf die Akten spritzen konnte, aber in der Pause würde er in jeder Hand eine große Tasse Kaffee halten, stellte er sich vor, während er draußen durchs Gelände rannte und rumschrie. Er wusste, in Wahrheit würde er in der Pause mit Blick auf die Wanduhr im Aufenthaltsraum sitzen und allen Gebeten und Anstrengungen zum Trotz dasitzen und die Sekunden verticken sehen, bis er hierher zurückkommen und weitermachen müsste.

Damit erreicht der bewusste Standardprüfer jedoch längst nicht das Spitzenniveau geistigen Kompensationsdranges, welches sich innerhalb seiner Abteilung der Dienststelle 047 des Steuerprüfzentrums des IRS – International Revenue Service, kurz Service, in Peoria, Illinois, im durchaus pathologischen Bereich bewegt (siehe §26):

[…] der Kraftaufwand, angesichts extremer Langeweile hellwach und akribisch arbeiten zu wollen, kann Niveaus erreichen, auf denen routinemäßig bestimmte Halluzinationen auftreten.

Wie es sich für eine Heimstätte des Ordnungswesens gehört, unterscheidet man hierbei zwischen Heimsuchungen durch Phantome und Geistererscheinungen (siehe §26). Zunächst zu den Phantomen: Diese treten insbesondere bei extrem selbstgestrengen Mitarbeitern auf und verkörpern in ihrer jeweiligen Erscheinungsform die individuell gefürchteten Zerrspiegelseiten der betroffenen Persönlichkeit; die Prüden werden von Visionen obszöner Sexualität heimgesucht, die Ultrahygienischen sehen dreckige, flohwimmelnde Figuren an ihrem Schreibtisch stehen, die zwanghaft Ordentlichen werden von hysterischen Unordnungsphantomen belästigt, die heilloses Chaos in die Ablagereihenfolge bringen. Und nun zu den Geistern (hier diejenigen in der Standardprüferabteilung; weitere treiben sich in den anschließenden Behörden-Blöcken herum, finden im Roman jedoch keine persönliche Erwähnung): Die Unterscheidung zu den Phantomen besteht in ihrer einheitlichen Sichtbarkeit für alle Mitarbeiter. Dieser Definition nach, treten hier zwei Geister auf: Blumquist, zu Lebzeiten ein äußerst effizienter, farbloser Standardprüfer, verstarb 1980 an seinem Schreibtisch, was von seinen Kollegen erst nach einigen Tagen bemerkt wurde. Seither materialisiert er sich gern unter seinen Nachfolgern. Seine unaufdringlichen Besuche, seine ruhige Art werden von den Mitarbeitern durchweg als angenehm beschrieben. Garrity dagegen fällt durch Geschwätzigkeit auf. Er soll sich Mitte der 1960er im Nordkorridor das Leben genommen haben, als das Gebäude noch einer Spiegelfabrik gehörte, für die Garrity als Prüfer tätig war. Schenkt man der Behördenfolklore Glauben, prüfte Garrity drei Spiegel pro Minute (also 1440 Spiegel pro Tag mal 356 Arbeitstagen pro Jahr mal 18 Jahren seiner Lebenszeit) auf Produktionsfehler und war am Ende nicht mehr dazu in der Lage, sich außerhalb seiner Dienstzeit anders zu bewegen, als prüfe er immer noch Zierspiegel auf eventuelle Oberflächenschäden.*

[* Rezensentin hier. Dieses stetig wiederkehrende Spiegel-Motiv erfüllt, schwant mir, eine bedeutende Funktion, es ist für das Roman-Verständnis offenbar außerordentlich wichtig. Als verbindendes Element taucht es im Zusammenhang mit nahezu jeder relevanten Romanfigur auf und verbildlicht, meiner bescheidenen Meinung nach, einen speziellen Aspekt des zentralen Roman-Mantras von der Auflösung des Ich, während dieses sich im psychischen Aggregatzustand anstrengender und monotoner Dauerbeschäftigung befindet.]

Die Schilderungen aus dem Inneren eines monströsen staatsbehördlichen Verwaltungsapparates sind zeitlich in den mittleren 1980er Jahren angesiedelt. Vielleicht deswegen, weil dieser Zeitraum die Endphase einer Ära darstellt, in der ermüdende Massen von Formularen und Akten von Menschenhand erfasst, kontrolliert und zur Weiter- oder Endbearbeitung weitergereicht wurden: Datenverarbeitung war noch keine Bildschirmarbeit, das erdrückende Gewicht dieser Tätigkeit ließ sich also tatsächlich (er)messen, es war sichtbar in Form wachsender oder abnehmender Papierberge. Ein passendes Setting für eine zum Roman ausgeweitete Abhandlung über den Stellenwert des Stumpfsinns in der modernen Gesellschaft.

Ausgerechnet dieser Stumpfsinn ist es, der den Löwenanteil des Lebens ausmacht, aus privatem wie aus gesamtgesellschaftlichem Blickwinkel betrachtet. Und doch steht der Stumpfsinn an sich eigentlich nie im Fokus menschlicher Betrachtungen, im Gegenteil scheint es das Wesen menschlicher Betrachtungen zu sein, sich dem zuzuwenden, was ausdrücklich nicht dem Stumpfsinn zugehörig ist (siehe §9):

Warum schrecken wir vor dem Stumpfsinn zurück? Vielleicht liegt es daran, dass Stumpfes an und für sich schmerzhaft ist; vielleicht ist hier auch der wahre Kern von Wendungen wie ‚todlangweilig‘ oder ‚unerträglich öde‘ zu finden. […] Vielleicht assoziieren wir Stumpfsinn mit psychischem Schmerz, weil Stumpfes oder Schleierhaftes nicht genug Anreiz bietet, um uns von einem anderen, tieferen Schmerz abzulenken, der uns immer begleitet, und sei es nur auf unterschwellige Weise, auf dessen geflissentliches Nichtzurkenntnisnehmen die meisten von uns praktisch all ihre Zeit und Energie verwenden […].

Und dennoch, der Stumpfsinn bleibt unausweichlich, bleibt fester Bestandteil des Lebens. Sollte also nicht gerade in der Fähigkeit, sich dem Stumpfsinn widmen zu können, ohne dabei nennenswerten Schaden zu erleiden, ein gar evolutionswichtiger Vorteil für den modernen Menschen bestehen? Ein ehemaliger Praktikant des IRS äußert in §44 immerhin seine Überzeugung, die auf seinen Erfahrungen im Service fußt und der zufolge die Resistenz eines Menschen gegen Stumpfsinn schlichtweg die alles entscheidende Schlüsselqualifikation bedeutet, um in dieser Welt bestehen zu können.

Dieser Schlüssel besteht nicht aus Effizienz, Redlichkeit, Einsicht oder Weisheit. Es geht auch nicht um politische Gerissenheit, besondere Fähigkeiten im zwischenmenschlichen Bereich, bloßen IQ, Loyalität, Visionen oder andere Eigenschaften, die die bürokratische Welt Tugenden nennt und auf die sie einen untersucht. […] Der Schlüssel […] ist die Fähigkeit, Langeweile auszuhalten. Effizient in einem Milieu zu funktionieren, das alles Vitale und Menschliche ausschließt. […] In einem Wort, unlangweilbar zu sein. […] Das ist der Schlüssel zum modernen Leben. Wenn man gegen Langeweile immun ist, gibt es buchstäblich nichts, was man nicht erreichen kann.

Unlangweilbar zu sein – die unterschätzte, weil unerkannte Superpower. Tatsächlich gibt es jemanden innerhalb der Behörde, der diese Fähigkeit besitzt; konfrontiert mit unendlich langweiligen Berichten, beginnt dieser Jemand sogar zu schweben (siehe §46) – zunächst eine Handbreit überm Stuhlkissen, zunehmend abhebend, auf höchster Konzentrationsstufe dann nur noch gebremst von der Bürodecke. Nicht nur hier wird dem Stumpfsinn eine spirituelle Überhöhung zuteil, es wimmelt vor Metaphern und dramaturgischen Kunstgriffen, die den ganzen Themenkomplex auf religiöses Terrain ziehen. So erzählt etwa Standardprüfer Chris Fogle, Spitzname Abschweifungskönig, im ausgesprochen langgezogenen §22 den Ablauf seiner Hinwendung zum IRS als eine Art Erweckungsgeschichte, die gleich ein ganzes Sortiment christlicher Motive beinhaltet: Chris Fogle, der verlorene Sohn, der Kaputtnik, umherstreunend auf den traurigen Irrwegen der Spaßgesellschaft, verliert durch einen haarsträubenden, wirklich entsetzlichen Unfall den Vater und erfährt später als reuiger Sünder umfassende Läuterung, nachdem ihm zunächst eine Vision erschienen ist und ihm schließlich ein jesuitisch anmutender Ersatzdozent im Steuerprüfung-II-Seminar den entscheidenden Schubs gibt, um endlich den Pfad der Gerechten einzuschlagen, welcher ihn zur Arbeit beim IRS führt.

Nun rekrutiert sich die Mitarbeiterschaft des Service allerdings beim besten Willen nicht mehrheitlich aus Monotonie-Jüngern und Langeweile-Gurus. Aber wer arbeitet dann für den Service? Und, um Himmels Willen, warum? Erklärungen hierfür liefern die rückblickenden §§, in denen einzelne Mitarbeiter und ihre ungewöhnlichen Biografien beleuchtet werden. Für diese Mitarbeiter besteht einerseits der Sinn ihrer Arbeit beim IRS in nichts Geringerem als der Erfüllung ihrer Sehnsucht nach Kontrolle. Andererseits erfüllt dort nichts diese Sehnsucht, außer das regelmäßige Gehalt (um das sich endlose Debatten ranken und das sozusagen die Dienstsprech-Anrede eines jeden IRS-Mitarbeiters bildet, indem die Gehaltsstufenbezeichnung, z.B. G9 für einen unteren Gehaltsrang, die üblichen Anredeformen Mr. und Mrs. praktisch ersetzt – man redet permanent über Gehalt, selbst wenn in ganz anderen Zusammenhängen über Andere redet).

  • David Cusk, der von Kindheit an mit Schweißausbrüchen zu kämpfen hat, deren schlimmste Form extreme, von Panik begleitete Sturzschweißergüsse darstellen, vor denen sich der betroffene Cusk wiederum so sehr fürchtet, dass er anstelle eines normalen Erwachsenendaseins eine Existenz im sozialen Abseits entwickelt hat, die sich vollkommen auf die zwanghafte Prüfung, Beobachtung, Auswertung und natürlich Verhinderung von kombinierten Schweiß- und Panikattacken konzentriert.
  • Chris Fogle, siehe oben.
  • Meredith Rand, eine Schönheit von solch hirnerweichendem Ausmaß, dass sie wegen der Unmöglichkeit, auf Menschen zugehen zu können, ohne von diesen nur wie betäubt angestarrt zu werden (sozusagen eine schöne Medusen-Variante), den Großteil ihres geschlechtsreifen Lebens in elender Einsamkeit zubrachte. In dem Therapeuten, der sie psychologisch betreute, fand sie ihren Ehemann, im IRS ihren Arbeitgeber.
  • Lane Dean jr., der immer ein gläubiger Christ sein wollte, darin aber nie zur erhofften Seligkeit gelangte und mit seinem Job beim Service nun eine Familie ernährt, die er aus christlichem Pflichterfüllungswillen heraus gründete.  
  • Personalchef Stecyk, ein pathologisch freundlicher Übergutmensch, dessen sozialer Aktionismus, grenzenlose Hilfsbereitschaft und unerträgliches Strebertum schon seine eigene Mutter in die Depression trieben, obgleich diese keinerlei altruistischen, sondern unschuldig aufrichtigen Beweggründen entspringen (sozusagen eine hoffnungslose Jesus-Variante).
  • Claude Sylvanshine, dessen Aufgabe darin besteht, mittels seiner seherischen Fähigkeit im Bereich eigentlich unnützer persönlicher Daten und Hintergründe die bestgeeigneten Kandidaten für die Mitarbeiterrekrutierung des IRS ausfindig zu machen (sozusagen eine menschliche Version von Suchmaschine, die das zum Zeitpunkt des Roman-Geschehens noch nicht existente Google vorwegnimmt).
  • Toni Ward, eine mit allen White-Trash-Wassern gewaschene Überlebende einer verwahrlosten Kindheit, die den Rachefeldzug eines der Ex-Freunde ihrer Mum nur deshalb überlebte, weil sie die Gabe besitzt, sich absolut glaubwürdig totzustellen.
  • David Wallace, ein von schrecklichen Hauterkrankungen gebeutelter Neuzugang in der IRS-Dienststelle in Peoria (sozusagen das Gegenstück zur schönheitsgebeutelten Meredith Rand), der am Tag seiner Ankunft in eine Slapstick-artige Verwechslungsgeschichte hineinstolpert: Es gibt einen weiteren David Wallace – hochrangiger Dienstgrad, glorreiche Verdiensthistorie -, der an jenem Tag ebenfalls seinen Dienst in Peoria antreten soll und dessen Personalnummer fatalerweise mit der des Neulings (sozusagen eine Verkörperung des Fehlers im System) vertauscht wurde. Besondere Ironie dabei: Der Neuling-Wallace verdiente sich während seiner Zeit am College auf illegale Weise Geld dazu, indem er für reiche, versnobte und stinkend faule Kommilitonen Arbeiten schrieb, die er unter ihrem Namen einreichte.

Halt – da wir nun beim Doppelten David angelangt sind, muss hier der Hinweis darauf erfolgen, dass David Wallace tatsächlich in dreifacher Form im Roman vertreten ist: Als zwei in einer Vertauschungskomödie verbundene Figuren – und als sich direkt an seine Leserschaft wendender Autor (siehe §§9,24).

Autor hier. Also der reale Autor, der echte Mensch, der den Bleistift führt, keine abstrakte narrative Instanz. Zugegeben, manchmal taucht in Der bleiche König eine solche Instanz auf […]. Aber das hier bin jetzt ich als echter Mensch, David Wallace, vierzig Jahre alt, Sozialversicherungsnummer 975-04-2012, und ich wende mich an diesem fünften Frühlingstag des Jahres 2005 aus meinem gemäß Formular 8829 steuerabzugsfähigen Heimbüro am Indian Hill Blvd. 725, Claremont 91711, Kalifornien, an Sie, um Ihnen Folgendes mitzuteilen:

Dies alles ist wahr. Dieses Buch ist wirklich wahr.

[Rezensentin hier. Mehr ließ sich an Inhaltlichem für eine Kurzvorstellung nicht herausquetschen, den Rest muss man, der wunderschönen Kompliziertheit wegen, bitte selbst lesen. Nur noch kurz zum Titel: Der bleiche König könnte sich auf Verwaltungschef Glendenning beziehen, der in einer Szene, in der er im Fahrstuhl feststeckt, vom Neonlicht beleuchtet reichlich blass aussieht. Glendenning verkörpert mit seiner Weigerung, die Behörde auf rechnergestützte Bearbeitungsvorgänge umzustellen, eine untergehende Epoche. Das Stichwort Informationszeitalter, das wollte ich im Roman-Kontext eigentlich noch… ach. Nun, ich könnte noch so viel…., aber wie gesagt, bitte selbst lesen.

Der bleiche König war das letzte Romanprojekt, an dem David Foster Wallace schrieb. Nach seinem Freitod im September 2008 übergab seine Familie die unzähligen, noch nicht in Reihenfolge gebrachten Roman-Fragmente an Michael Pietsch, der Wallace über Jahre hinweg als Lektor begleitet hatte. Pietsch hat aus all dem einen tatsächlich lesbaren Roman zusammengestellt, der 2011 im Original, 2013 auf Deutsch, übersetzt von Ulrich Blumenbach, erschien.

Stellenweise glaubt man in noch in Überlegung stehende Abschnitte hineinzulesen, man bemerkt einen groben sprachlichen Duktus hier, sich wiederholende Wendungen dort, doch sind diese Momente selten zu finden. Der bleiche König wirkt sprachlich ganz und gar nicht unvollendet. Nur seinen Figuren merkt man an, dass sie mit Ende der herausgegebenen Fassung noch nicht auserzählt sind, und das versetzt mir zum Schluss einen wirklichen Stich. Ich bin nicht der pseudo-sentimentale Typ, der in solchen Augenblicken das Heulen kriegt – man hat nicht das Recht, aus der Ferne und mit einem Keks im Mund einen Tod zu bejammern, über den man nichts weiß, während dort eine Familie zusammensitzt, der jener Tod gehört – aber das große Schlucken kriege ich trotzdem, als ich das Buch auslese und denke: Adoptiv-Vater Pietsch hat den Figuren merklich viel Liebe angedeihen lassen, aber Waisen sind sie und bleiben sie doch. ]


>>David Foster Wallace, Der bleiche König (Rowohlt), kartoniert €14,99