Joshua Redman

ZUSAMMENSETZUNGEN // Joshua Redman +


The Bad Plus – ich mag dieses Trio aus Perfektspielern, und doch wäre es mir gelegentlich lieber, wären sie etwas weniger perfekt. Ursprünglich aus Minneapolis, später in New York ansässig, inzwischen gefühlt permanent in der Welt unterwegs, kennen Ethan Iverson (Klavier), Reid Anderson (Bass) und Dave King (Schlagzeug) einander bereits ewig und offen-, da hörbar, so gut, dass ihr blindverständiges Zusammenspiel sich auch live schlicht makellos zeigt. Womit ich nie viel anfangen konnte, sind ihre vielfältigen Bearbeitungen von Rock- und Pop-Klassikern, in denen sich zur technischen Sauberkeit eine thematische gesellt – da langweile ich mich. Ihr 2012er Album Made Possible (eOne-Music) gefällt mir dagegen sehr.

Mit Joshua Redman (Saxophon) haben sich The Bad Plus mit einem weiteren musikalischen Vollroutinier zu einem gemeinsamen Album zusammengetan: Auf The Bad Plus Joshua Redman (Nonesuch), erschienen diesen Mai, ergibt sich aus Redmans müheloser Wirbeligkeit und der Formklarheit, die die Stücke von The Bad Plus auszeichnet, ein einheitlicher Stil, der sich nicht anhören lässt, dass er einem Sonderprojekt entsprungen ist. Das liegt auch daran, dass Redman und The Bad Plus bereits seit ein paar Jahren zu recht regelmäßigen Gelegenheiten gemeinsame Live-Auftritte geben. Bislang begleitete Redman das Trio dabei als Gast, gespielt wurden Stücke aus dem TBP-Repertoire. Für das Album wurde nun auch gemeinsam komponiert. Das Spektrum, das sich dort auftut, reicht von milder Melancholie (Lack The Faith But Not The Wine) bis zur Tumultuosität (Faith Through Error). Im Ganzen betrachtet, erweist sich eine jeweils klare Melodielinie, die immer aufs Neue überraschende Brechungen erfährt, als tragendes Stilmittel der neun eigenwilligen Stücke auf diesem Album.

Es wäre zu mühsam, hier eine Auflistung derer machen zu wollen, mit denen Joshua Redman im Laufe seiner etwa 25jährigen Musikerkarriere bereits gemeinsame Auftritte oder Studioaufnahmen unternommen hat. Ehrlich. Deshalb hier nur noch ein zweites Beispiel für seine hohe musikalische Bindungsfreudigkeit: In einer von ihm als Double Trio bezeichneten Besetzung spielte er bereits das großbuchstabig-WUNDERBARE 2009er Album Compass ein, gemeinsam mit dem großartigen Brian Blade (Schlagzeug), Gregory Hutchinson (dito), Larry Grenadier (Bass) und Reuben Rogers (dito). Beim folgenden Barracudas wurden Redman, Rogers und Hutchinson von Matt Penman (Bass) und Bill Stewart (Schlagzeug) begleitet.

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BRENNSTOFF // Fieber-Musik

Diese Gelee-Tage: Jede Bewegung muss ich gegen eine widrige Substanz durchsetzen, die meine eigene ist. Ein Gelee-Ich im Gelee-Raum. Bekäme ich nicht die allmorgendliche Starthilfe durch einen kräftesprotzenden Vierjährigen, würde ich jene Tage so verbringen wie die Mücke ihre Äonen im Bernstein. Kinder beherrschen, ganz von Natur aus, die hohe Kunst des positiven Radaumachens. Die Musik professionalisiert das. Sie hat den Krach urbar gemacht, sodass er Ernteerträge abwirft, die mitunter überraschend ausfallen. In ihrer unruhigen, juckigen Form erhöht Musik heilsamerweise meine mentale Temperatur und macht damit krankheitsträchtige Substanzen unschädlich. Rabimmel, rabammel, rabumm – mein Mixtape für heute: