FEIERTAGE // Im Land des falschen Lächelns

weih (2)

Mit Kugel assoziiere ich Munition. Zur Weihnachtszeit sollte ihre Buntfärbung nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Kugel dem Kontext Kampf weiterhin verhaftet bleibt: Ihr Einsatzgebiet, Weihnachten, ist eine Schlacht, die auf den Feldern des Konsums geschlagen wird und in der Emotionen die Qualitäten von Explosivstoffen annehmen. Panikflecken leuchten rot in zwangsfröhlichen Gesichtern. Für die letzten Einkäufe werden Verhaltensmuster aktiviert, die auf unsere Vergangenheit als Jäger, auf einen rohen Versorgungs- und Überlebenskampf verweisen. Und dann begeben wir uns ins Minenfeld einer mehrtägigen Familienzusammenkunft.

Mir fiel gestern eine Glaskugel vor die Füße. Scheußliche Splitterstreuung natürlich, aber keine weiteren Überraschungen: ein bunt bepinselter Hohlraum, sonst ist da nichts.

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21 Kommentare

  1. ohja – den bunt bepinselten hohlraum, den sehe ich auch. von den kugeln, vom hohlraumgebimmsel, vom bunten klüngeln will ich weg und suche in diesem weihnachtlichen konsumkonglomerat für mich spuren, denen ich nachgehen könnte. „solstice“ ist dann so ein stichwort für mich, der wechsel des lichts, für meine ahnen bedeutungsvoll, auf vielfache weise „gefüllt“: anker im naturgeschehen; für mich, die ich im zeitalter der elektrifizierung lebe, ist einiges über empathisches nachdenken verstehbar – mein (äußerer und innerer) geht wacher zu den menschen, zu denen, die im alltag um mich sind, zu meiner (weit verzweigten) familie, zu verstorbenen menschen, zu denen, die ich nicht leibhaftig kenne, von denen mich aber „nachrichten“ erreichen. und ich freue mich am (nächtlichen) räuchern in diesen tagen, ha, das ist für mich inbegriff von ruhe, stille. — und grüße dich und freu mich einfach, dass du schreibst und ich dich lese. 😉 pega

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      1. Ein eigener Blick für das Wichtige – der rettet einen ganz gut durchs allgegenwärtige Geballer mit Geld und Zeug hindurch! Während es allenorts elektrisch-grell strahlt, tut es nicht nur den Augen gut, den echten Lichtverhältnissen einmal bewusst nachzuforschen. (Ich freu mich drauf, nächstes Jahr wieder viel Gutes von Dir zu lesen. Bis dahin wünsch ich Dir eine ruhige und schöne Zeit!)

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  2. Der Titel hat mich sofort angesprochen und die Kriegsmetaphern für das, was uns heilig erscheinen soll, finde ich sehr treffend. Es ist ein Gewaltexzess und die roten Kugelbäckchen der Kinder sind wohl eher Ausdruck der reingepfefferten Angst vorm Weihnachtsmann, die ja v.a. uns Erwachsene in der Vorweihnachtszeit unbewusst antreibt, es doch nett zu machen und v.a. lieb zu sein, damit wir Onkel Peter nicht doch mal ganz gehörig die volle Wahrheit sagen. Wie dem auch sei, trotz aller Weihnachtsmanntraumata wünsche ich dir ein paar erholsame und inspirierende Momente in dieser Zeit der Qual (v.a. auch für die Tiere in der Massentierhaltung, an die wir alle denken wollen). Unsere Familie hat sich traditionell bereits Anfang der Woche für ein Weihnachtsfest getroffen, damit wir alle über Weihnachten entspannt die Feiertage genießen können. Also irgendwie freue ich mich jetzt doch auf die nächsten Tage, Freiheit pur, und Zeit im Inneren doch ein Lichtchen angezündet zu bekommen.

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  3. Das ist ein schöner zorniger Beitrag! Ich spüre Grimm, aber auch schon Lachen (grimmiges Lachen).
    Mit Grimm komme ich gut klar, das ist ehrlich, da muss man keine Grimassen ziehen. Also, lieber ein gutes schwarzes Herz als ein falsches goldenes.
    Ich habe das Glück, Weihnachten in einem Kreis zu verbringen, wo sich keiner verrückt macht und sich keiner was schenkt. Aber die Anspannung allenthalben ist mir natürlich nicht entgangen.
    Trotz gelassener Ausgangslage, habe ich mich vorsorglich mit einer Übersetzungsarbeit gewappnet, eine Art literarisches 4000-Teile-Puzzle, das mir auch an einem dummen Tag wie Sylvester nützlich sein wird.

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    1. Das klingt glatt so, als könnte Dich dieses „Puzzle“ durchaus bis nächstes Jahr Weihnachten beschäftigen?
      Auf Silvester freue ich mich – der verlangt keine Scheinheiligkeit, ist wie ein Geburtstag, nur für alle und ohne Geschenke, und wir feiern ungezwungen unter guten Freunden (dieses Jahr grillend im Garten) anstatt bombastisch auf irgendeiner Event-Party. Silvester jedenfalls gibt nicht vor, mehr zu bedeuten, als er ist: die letzte Feier des alten und die erste des neuen Jahres.

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  4. Haha, wunderbar zornig, liebe Sonja. Ich glaube, dem nächsten, der mir „besinnliche“ Weihnachten wünscht, schmeiße ich auch so eine Glaskugel vor die Füße – und jetzt gehe ich gemütlich mit lieben Freunden feiern. 😉 Lass auch du es dir gut gehen und sei herzlich gegrüßt!

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  5. „bunt bepinselter Hohlraum“ was für eine geniale Formulierung!! 😂 Ich bin zwar ein bekennender Weihnachtsjunkie, wobei ich Weihnachten in Abwesenheit von Hektik und Konsumrausch begehe, aber das Fest an sich ist für mich schon immer wichtig gewesen. Und das mit ohne Stress klappt echt 😎 mit ohne Konsum liegt ja an jedem selber 😏 aber ich weiß natürlich, was Du meinst, da fällt mir dann immer „Weihnachten wird unterm Tannenbaum entschieden“ von dieser Reklame ein, von dem … Du weißt schon, Media und so. Früher haben wir Kinder über dem Quelle-Katalog gehangen und uns Wünsche ausgedacht, heute wird man zugeballert. Ich mach die Glotze schon gar nicht mehr an. Am besten ist das Geblinke auf den Balkonen, bei uns gibt es eine Straße, die rüsten richtiggehend auf 😎 jedes Jahr mehr, bunter, blinkender, Schriller… grauslich. Das hat in der Tat mit Weihnachten nun so gar nichts zu tun.
    Wie auch immer, hoffe, Du hattest trotzdem ruhige Tage!
    Grüße aus dem Neanderthal!

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    1. Hier darf man alles – aber lieb, dass Du fragst 🙂 Ich habe die Weihnachtstage denn doch ganz unbeschadet überstanden, der Familie sei Dank, aber der vorausgehende Weihnachtswahnsinn, der Hype, der Bombast, die staatsaktmäßigen Weihnachtsfeiern, das mediale Klischee- und Kitsch-Dauerfeuer, diese künstliche Gefühlmacherei, das macht mich alle Jahre wieder total fertig. Viele Grüße, Sonja

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  6. Auch ich bin begeistert von der Formulierung „bunt bepinselter Hohlraum“.
    Ich habe mit Weihnachten so gar nichts am Hut und da paßt Dein Artikel gut zur Stimmung.
    Bei mir gibts keine einzige Tannennadel oder ähnliches.
    Die Rumballerei an Silvester kann ich nicht nachvollziehen und für mich ist das wie Geld verbrennen.
    Das Ballern an Silvester (leider auch die Tage drumherum) und die „Kugeln“ an Weihnachten . . . . . für mich komplett sinnbefreit.

    Ich wünsche fröhliches Grillen und hoffe, die (Eises-) Kälte hat Euch bis dahin noch nicht erreicht.

    lieben Gruß
    sue

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