BRENNSTOFF // Fern-, Frauen-, Feuerweh: Ernst Wilhelm Lotz

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Ernst Wilhelm Lotz,

Hart stoßen sich die Wände in den Straßen

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Hart stoßen sich die Wände in den Straßen,

Vom Licht gezerrt, das auf das Pflaster keucht,

Und Kaffeehäuser schweben im Geleucht

Der Scheiben, hoch gefüllt mit wiehernden Grimassen.

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Wir sind nach Süden krank, nach Fernen, Wind,

Nach Wäldern, fremd von ungekühlten Lüsten,

Und Wüstengürteln, die voll Sommer sind,

Nach weißen Meeren, brodelnd an besonnte Küsten.

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Wir sind nach Frauen krank, nach Fleisch und Poren,

Es müssten Pantherinnen sein, gefährlich zart,

In einem wild gekochten Fieberland geboren.

Wir sind versehnt nach Reizen unbekannter Art.

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Wir sind nach Dingen krank, die wir nicht kennen.

Wir sind sehr jung. Und fiebern noch nach Welt.

Wir leuchten leise. – Doch wir könnten brennen.

Wir suchen immer Wind, der uns zu Flammen schwellt.


Geboren 1890 in Westpreußen, gestorben 1914 in Frankreich – Ernst Wilhelm Lotz gehörte zu jenen jungen Wilden, die ihr Wüten über den erstarrten Zeitgeist erst in ihre Kunst und dann in ihr Marschgepäck steckten: Aufbruch ins Unverbrauchte! Als Sohn eines Kadettenhausprofessors verbrachte Lotz seine Kindheit an unterschiedlichen Standorten von Kadettenanstalten und schlug später selbst eine militärische Laufbahn ein. Kurz unterbrach er diese für die Kunst, versuchte sich hauptberuflich als Kaufmann und finanzierte so seine Dichter-Existenz. Er übersetzte Gedichte von Paul Verlaine und Arthur Rimbaud, schrieb selbst einige wenige. Zeitweise lebte er in Dresden in einer Wohngemeinschaft mit dem expressionistischen Maler und Dichter Ludwig Meidner. Bei Kriegsausbruch im August 1914 meldete sich der frühere Leutnant zurück zum Heer und wurde an die Westfront entsendet. Anfang September bereits erhielt Lotz das Eiserne Kreuz – Ende September fiel er während eines Angriffs nahe Bouconville.


Bild: Kunstschmiede Brandtbart

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8 Kommentare

    1. Bis auf zwei Gedichte von ihm habe ich bislang nichts Weiteres ausgraben können 😦 Sehr spannend fand ich allerdings auch den Ludwig Meidner. Während Lotz aus Überzeugung in den Krieg zog, malte Meidner bereits ab 1912 düstere, apokalyptische Szenarien, in denen die Abgründe des Krieges vorausgeahnt werden. http://www.meidnergesellschaft.de – da gibt´s viel zu gucken!

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      1. Ja, Meidner war mir ein Begriff – der tauchte vergangenes Jahr immer wieder mal auf in Zusammenhang mit „100 Jahre Beginn 1. WK“. Vor allem sein „Schrecken des Krieges“ – den vergisst man nicht. Na, dann werden wir doch eine Lotz-Erforschungsgesellschaft gründen müssen!

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