WORTSINNE // Was man erst sieht, wenn einer plötzlich geht

IDYLLE Sonja Grebe

Zu viel IDYLLE ist nicht gut. Es ist ein Wort, das seine eigene Verneinung in sich herumschleppt: Fügt man viel IDYLLE nahtlos aneinander, sieht man darin verstecktes LEID.

Das ist natürlich reiner Zufall. Ebenso zufällig und ebenso bezeichnend ergibt sich, liest man ein LEBEN rückwärts, ein NEBEL.

TOT allerdings ist man von hinten wie von vorne, bar jeglicher Einschlüsse.

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7 Kommentare

  1. Idylle ist ein erdichteter Idealzustand – es gibt sie in Wirklichkeit (!) gar nicht. Antiidylle ist außerdem viel spannender, weil da die dunklen Kräfte raufen. So ähnlich wie Harmonie – auf Dauer kaum zu ertragen 🙂 LG (Das mit dem ZufallsLEID ist großartig)

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    1. Prinzipiell misstraue ich der Idylle der Anderen – man weiß nie, was sie verdeckt. Meine eigene Idylle finde ich immer dort, wo die raufenden Kräfte einmal sichtbar und beherrschbar zu Tage treten, sich zeigen dürfen, da brüllen sie sich dann aus und gut is. Irgendwo im Grünen, im Stillen, im Beruhigten. Also verstehe ich Idylle immer nur als Moment, nicht als Dauerzustand. An dieser Idylle kann man dann seinen übrigen Alltag messen, Alltag werden kann sie nicht. Aber zum echten Leben gehört sie damit für mich schon, und die Antiidylle genauso. Harmonie ist so ein Begriff, mit dem ich mich ganz schwertue. Idylle bezeichnet ursprünglich eine Art Naturzustand, ist ein von ländlicher Einfachheit hergeleiteter Begriff, das passt in meine Denk- und Gefühlsmuster. Harmonie bezeichnet eine mathematische Ebene der Kunst, drückt dem Gefühlten Maße auf und impliziert Übereinstimmungen mit Regeln und Werten. Eine harmonische Familie kann nach allen Regeln des Zusammenlebens perfekt funktionieren und trotzdem denke ich, dass das nicht das selbe ist wie Glücklichsein. Ein einfacher, schöner, gelöster, glücklicher Tag mit meiner Familie ist für mich wiederum kostbare Idylle. Idylle muss man, denke ich, als Geschenk verstehen – sie zu seinem Anspruch zu machen, ist gefährlich. Liebe Grüße!

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  2. Den „Nebel“ kannte ich noch nicht, da bin ich ja fast vom Stuhl gefallen: Toll! Idylle!? Tja. Ich konnte als Kind schon riechen, wenn da was faul war. Und wie Du schreibst, je mehr Idylle nach aussen gekehrt wird, desto stinkiger der Fisch, der irgendwo versteckt ist. Ich verstehe diesen Wunsch nach Harmonie. Idylle lähmt mich meistens nach fünf Minuten. Deswegen sind mir Sonntage oft so verdächtig: Der offizielle Idylletag (nö, daran hat die Kirche mal nicht schuld, die hatten sich das eher anders gedacht, mit Ruhe und so, was gar nix mit Idylle zu tun hat, sondern mit Seinlassenkönnen). Idyllen kommen auch so in der Malerei vor. Da ist dann alles prima (eine verkleinerte Form des Paradieses). Tolles Thema. Da denke ich mal weiter dran. Ansonsten: ich hatte komischerweise auf dem Schirm, dass Du Pause machst – ?! Na, auf jeden Fall bist Du wieder da. Schön!

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