DISPO FEVER // Geld (Ist es das, was ich will?)

(…) all you need is love – als man Keith Richards (…) von diesem Songtitel der Beatles erzählte, soll er einer hübschen, apokryphen, mindestens sehr gut erfundenen, also vielleicht nicht wirklichen, aber allemal wahren Geschichte nach geantwortet haben: Oh yeah? Try paying the fuckin´ rent with it. *

Vielleicht ist der wahrhaft lebensbestimmende Dualismus nicht der von Gut und Böse, sondern der von Wunsch und Wirklichkeit. Was uns antreibt, sind unsere Lebenswunschvorstellungen, von welcher Größe und Beschaffenheit auch immer sie sein mögen. Dem gegenüber steht die Lebensrealität, sie ist der Gegner, dem es die Erfüllung jener bedeutenden oder banalen, leichten oder schweren (auch: guten oder bösen) Träume abzutrotzen gilt. Mal gelingt es, den Traum zur Realität zu machen, mal vernichtet die Realität den Traum. Jeder – das behaupte ich hier großspurig und nehme es auch nicht zurück – wünscht sich gelegentlich einen Vorteil für sich in diesem allgegenwärtigen Kampf, einen kleinen Wettbewerbsverzerrer, der zu Gunsten von Traum und Wunsch arbeitet. Manche hoffen da auf höhere Mächte: Glaube, Aberglaube, Esoterik. Manche arbeiten sich durch präzise formulierte Lebenspläne, bauen auf Coaching, Training, Schönheitsoperationen, Netzwerke. Und dann wäre da noch der allgemeine Faktor GELD – und, in dessen Anhang, die ewige Frage danach, ob GELD nun ein Teil der Lösung oder ein Teil des Problems ist. GELD ist eine sehr spezielle, irdisch verfügbare Superkraft: Ach, könnte man nicht viel einfacher ein idealerer Mensch sein, wenn der Dispokredit nicht ewig ausgereizt wäre? Ob GELD das Leben verschönert oder doch den Charakter verschlechtert, beantwortet sich schlicht abhängig davon, ob man selbst GELD hat oder eben nicht.


Die Beatles und die Rolling Stones waren sich zumindest darin einig, darüber singen zu müssen: Money (That´s What I Want) ist ein Titel, den gleich beide Bands aufnahmen. Wenig darin lässt an love is all you need denken, stattdessen heißt es eher unromantisch: Your lovin´ don´t pay my bills. Geschrieben wurde das Stück von Berry Gordy jr. und Barrett Strong, die es 1959 in Gordys improvisiertem Garagen-Tonstudio aufnahmen. Gordy klimperte am Klavier, es fehlte an einer passenden Text-Idee, und so forderte Gordy seine Zuhörer auf, ihm ein Thema zu geben, irgendwas, womit einfach jeder etwas anfangen könne. Die prompte Antwort lautete: GELD. Nicht nur durch die beträchtlichen Tantiemen-Einnahmen, die ihnen die zahlreichen erfolgreichen Cover-Versionen dieses Songs einbrachten, mussten sich bald weder Gordy noch Strong länger Sorgen ums GELD machen: Berry Gordy jr., der als eines von acht Kindern in einfachsten Verhältnissen in Detroit geboren wurde und sich als Fließband-Arbeiter bei Ford und als Boxer durchschlug, gründete später Motown Records und wurde millionenschwer. Barrett Strong startete einen Hit-gepflasterten Werdegang als Songwriter, der ihn bis in die Rock´n Roll Hall of Fame und (!) die Songwriters Hall of Fame führte. (Über die Finanzlage der Beatles und der Stones zu philosophieren, halte ich im Übrigen für müßig.)


Und jetzt ein dreifaches MONEY / MONEY / MONEY:


* Zitat aus: Dietmar Dath / Barbara Kirchner, Der Implex – Sozialer Fortschritt: Geschichte und Idee; Teil Oh l´ Amour, Kapitel Hippies im Mietrückstand (Suhrkamp, 2012)

Advertisements

13 Kommentare

  1. Zitat: „Jeder – das behaupte ich hier großspurig und nehme es auch nicht zurück – wünscht sich gelegentlich einen Vorteil für sich in diesem allgegenwärtigen Kampf, einen kleinen Wettbewerbsverzerrer, der zu Gunsten von Traum und Wunsch arbeitet.“ Boah ey – heute lese ich bei Dir aber eine ganz fatalistische Weltsicht. Nun gut, nur von Luft und Liebe kann man nicht leben. Aber so eine dispofiebrige Sicht auf die Lebensrealität, das haut mich heute um Lichtjahre zurück. Deshalb kontere ich mit: https://www.youtube.com/watch?v=vgDhTxtn8K4

    Gefällt 1 Person

    1. …darauf ein Champagnerchen!!! (Also, von „Millionen“ ist bei mir privat nun nicht die gerade Rede, aber bei den „Pfennigen“ bekenne ich mich schon eher schuldig. Geld oder Liebe, das wäre auch keine Frage, die mich ernsthaft herausfordern würde: Geld UND Liebe wäre allerdings die angenehmste Antwortmöglichkeit…)

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s