GROSSE FRAUHEIT // Auf Provinzflucht mit Judy Henske


Im Büro eines Provinz-College und später einer Quäker-Kooperative zu arbeiten, mag für viele eine erfüllende Aufgabe sein. Judy Henske teilte wohl nicht diese Zufriedenheit und schulte sich kurzerhand selbst um, von der Sekretärin zur Sängerin. Geboren wurde Judy Henske 1936 in einer Kleinstadt im Nord-Osten der USA namens Chippewa Falls/Wisconsin. Immerhin konnte der Nachbarstaat Illinois mit Chicago eine veritable Metropole als Fluchtpunkt anbieten. Aber das war für Judy Henske längst nicht alles in Sachen Fernziele: Ende der 50er Jahre zog es sie aus dem waldreichen Norden den Stränden und der Sonne Kaliforniens entgegen, wo sie in San Diego zeitweise auf einem Schiff wohnte und singend durch die Kaffeehäuser Los Angeles´ tingelte. Dort schloss sie sich Anfang der 60er einer Gesangstruppe namens Whiskey Hill Singers an, die sich jedoch bald wieder zerstreute. Henske landete auf Umwegen in Hollywood, wo sie an einer Dokumentation über die Folk-Bewegung und an Album-Aufnahmen anderer Musiker mitwirkte. Außerdem trat sie als schnell populär gewordener Side-Act in der Judy-Garland-Show auf, flog wegen ihres deftigen Humors jedoch bald wieder aus der Besetzung – so schlug sie sich also weiter als Solo-Sängerin durch. Regelmäßig ging sie für Auftritte nach New York und lernte dort Woody Allen kennen, kurze Beziehung inklusive. Der Mann, den sie später heiratete, hieß dann aber Yerry Jester, Mitglied des Modern Folk Quartet. Das Musiker-Ehepaar hielt sich mit pausenlosen, auch gemeinsamen Auftritten in New York und entlang der Ostküste über Wasser. Für eine Karriere als Entertainerin ging Henske nach Los Angeles zurück, floppte aber gründlich und wechselte wieder an die Ostküste, als Yester Ende der 60er Jahre dort einem vielversprechendem Band-Projekt namens The Lovin´ Spoonful beitrat. Parallel dazu kehrte Henske wieder ganz zur Musik zurück und nahm gemeinsam mit Yester ein Psychedelic-Folk-Album auf, das Frank Zappa auf seinem Label Straight Records verlegte. Das Ehepaar wirkte fortan als Rosebud gemeinsam weiter – bis schließlich das Ende Rosebuds und damit auch der Ehe zwischen Henske und Yester ins Haus stand, als sich Henske und der für Rosebud als Keyboarder verpflichtete Craig Doerger verliebten. Seither lebte Judy Henske weitestgehend im Privaten und trat erst ab den 90er Jahren wieder vereinzelt musikalisch auf. Obwohl ihr Einfluss mit der Zeit in Vergessenheit geriet, gilt sie rückblickend als wichtige Inspirationsquelle vieler amerikanischer Schriftsteller und Musiker.


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