KOSMOS AHOI! // Frau im Mond


Da mein Geschmack im Ganzen durch eine ausgeprägte Schlagseite zu Gunsten des Uralten gekennzeichnet ist, komme ich natürlich am Stummfilm nicht vorbei. Und in den den Kinderjahren des Kinos spielt das Weltall als Projektionsfläche für die ungeheure Zukunftstrunkenheit des frühen Zwanzigsten Jahrhunderts eine enorme Rolle.

Frau im Mond ist stilistisch und thematisch auf dem Weg zu neuen Horizonten der Technik. Fritz Lang, der unbedingten Wert darauf legte, den Stand der Wissenschaft fundiert wiederzugeben, verpflichtete Ingenieure, Raketentechniker und Astronomen als Berater, die das Drehbuch und die Tricktechnik überwachten. Wissenschaft ist auch der eine Hauptbegriff der Filmhandlung: Sauerstoff und Bodenschätze werden auf der Dunklen Seite des Mondes vermutet, und ein idealistischer Unternehmer will, von Wissenschaftlern begleitet, die Pionier-Reise zum Erdtrabanten antreten um diese These zu belegen. Das ambitionierte Expeditionsteam besteht aus zwei Männern und einer Frau – unausweichlich lautet der zweite Hauptbegriff des Filmes also Liebe. (Übrigens berührt auch dieser Begriff nicht nur die Filmhandlung selbst, sondern ebenso die Hintergründe der Produktion: So stammt die gleichnamige Romanvorlage, sowie dessen Drehbuchbearbeitung von Thea von Harbou, zu jener Zeit Langs Ehefrau. Die Hauptdarstellerin Gerda Maurus und Fritz Lang jedoch verband eine Affäre miteinander.)

Der Stummfilm an sich weist Extremeigenschaften auf: Schwarz-Weiß-Kontrast, überzeichnete schauspielerische Darstellung, (häufig) epische Länge. Frau im Mond ergänzt diese Reihe durch das Extremziel Mondlandung und durch den Superlativ seiner technisch aufwändigen Produktion.

Im Vergleich zu Metropolis, diesem Filmkoloss Fritz Langs aus dem Jahre 1927, ist seine 1929 erschienene Frau im Mond aus heutiger Sicht weniger bekannt. Wer gerade nicht schlafen kann, sollte sie mal besuchen.


…und wer statt Willy Schmidt-Gentners stummfilmüblicher Musikdramatik vielleicht eine alternative Tonspur hören möchte, kann es so machen wie ich: Ton aus, und den eigenen Soundtrack parallel laufen lassen. Zum Beispiel diesen hier:


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